Hybrid Gambling – Die unterschätzte Spielergruppe?

Viele Glücksspielangebote sind heute über mehrere Vertriebskanäle verfügbar, und Spielende können immer einfacher zwischen digitalen und landbasierten Formen wechseln. Diese Entwicklung wirft neue Fragen für Forschung und Spielerschutz auf.

Hybrid Gambling – Die unterschätzte Spielergruppe?

Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 lässt sich ein Teil der Spielenden nicht mehr eindeutig einer einzigen Spielumgebung zuordnen. Neben Personen, die ausschließlich online oder stationär spielen, gibt es eine dritte Gruppe: sogenannte Hybrid-Spieler. 

Nach den Ergebnissen der Untersuchung entfallen 16,6 % der Befragten auf ausschließlich stationäres Glücksspiel, 10,8 % auf Online-Glücksspiel und 8,4 % auf beide Settings.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass hybride Formen und kanalübergreifendes Spielverhalten besondere Herausforderungen mit sich bringen können. Dazu zählen unter anderem eine höhere Verfügbarkeit von Glücksspielangeboten, eine stärkere Einbindung in den Alltag sowie eine größere Zahl an Wettgelegenheiten. 

All das sind Faktoren, die bereits seit Jahren als strukturelle Risikomerkmale von Glücksspielprodukten diskutiert werden.

Doch wer sind Hybrid-Spieler eigentlich? Und verdient diese Spielergruppe künftig mehr Aufmerksamkeit als bisher?

KErnaussagen

  • Immer mehr Spielende wechseln zwischen verschiedenen Vertriebsformen, wodurch kanalübergreifendes Spielverhalten an Bedeutung gewinnt.
  • Der Glücksspiel-Survey 2025 zeigt, dass Hybrid-Spieler deutlich höhere Werte bei glücksspielbezogenen kognitiven Verzerrungen erreichen.
  • Bestehende Ansätze bei Forschung und Spielerschutz orientieren sich meist an einzelnen Spielkanälen. Das tatsächliche Spielverhalten verteilt sich jedoch zunehmend auf verschiedene davon.

Mehr als nur Online und Offline

Hybrid-Spieler werden häufig als Personen verstanden, die sowohl online als auch stationär spielen. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Entscheidend ist nicht allein die Nutzung verschiedener Vertriebskanäle, sondern die Art und Weise, wie sich das Spielverhalten über unterschiedliche Umgebungen hinweg entfaltet.

Mit dem Wechsel zwischen digitalen und stationären Angeboten verändern sich auch die Rahmenbedingungen des Glücksspiels. Online bedeutet eine nahezu permanente Verfügbarkeit und einen schnellen Zugang. Stationär gibt es dagegen andere soziale und situative Anreize. 

Am Beispiel hybrider Vertriebsmodelle für Sportwetten zeigt eine Schweizer Studie, dass sich diese Eigenschaften miteinander verbinden können und das Glücksspiel stärker in den Alltag integriert wird. 

Dazu zählen unter anderem die Vorbereitung von Wetten per App, die spätere Validierung an Verkaufsstellen sowie eine hohe Zahl möglicher Wettgelegenheiten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich Hybrid-Spieler auch hinsichtlich ihres Spielverhaltens von Personen unterscheiden, die das Angebot ausschließlich online oder ausschließlich stationär nutzen. Der Glücksspiel-Survey 2025 liefert hierzu interessante Erkenntnisse.

Der Begriff „Hybrid“ wird in der Forschung nicht einheitlich verwendet. Der Glücksspiel-Survey 2025 definiert Hybrid-Spieler als Personen, die sowohl online als auch stationär spielen. Die Schweizer Studie bezieht sich auf hybride Vertriebskanäle im Bereich der Sportwetten. 

Gemeint ist dort die Kombination digitaler Vorbereitung und terrestrischer Wettabgabe. Beide Ansätze haben zwar eigene Definitionen, verdeutlichen jedoch denselben übergeordneten Trend: Die Grenzen zwischen digitalen und stationären Glücksspielangeboten verschwimmen zunehmend.

Was unterscheidet Hybrid-Spieler von anderen Spielern?

Aus dem Glücksspiel-Survey 2025 geht hervor, dass sich Hybrid-Spieler nicht nur durch die Nutzung verschiedener Umgebungen unterscheiden. Auch bei glücksspielbezogenen kognitiven Verzerrungen hebt sich diese Gruppe deutlich von reinen Online- und stationären Spielern ab.

Zur Erfassung dieser Denkmuster verwendeten die Autoren den Gamblers Beliefs Questionnaire (GBQ). Der Fragebogen misst unter anderem Überzeugungen wie die Illusion, Spielergebnisse beeinflussen zu können, oder den Glauben, Verluste durch weiteres Spielen ausgleichen zu können. Solche kognitiven Verzerrungen gelten seit Langem als wichtiger Risikofaktor für problematisches Spielverhalten.

Unter den Teilnehmenden an riskanten Glücksspielen fallen die Unterschiede besonders deutlich aus:

Spielertyp (riskante Glücksspiele)Durchschnittlicher GBQ-Wert
Ausschließlich stationär51,4
Ausschließlich online58,3
Hybrid-Spieler73,8

Quelle: Glücksspiel-Survey 2025, Tabelle 10

Bemerkenswert ist dabei vor allem der Abstand zu den beiden Vergleichsgruppen. Während reine Online- und stationäre Spieler bei den GBQ-Werten noch relativ nah beieinander liegen, erreichen Hybrid-Spieler wesentlich höhere Werte.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass kanalübergreifendes Spielverhalten mit stärkeren glücksspielbezogenen Denkmustern verbunden ist. Ob diese Abweichungen durch das Spielverhalten selbst entstehen oder ob Personen mit stärker ausgeprägten kognitiven Verzerrungen häufiger mehrere Spielkanäle nutzen, lässt sich aus der Querschnittsstudie nicht ableiten.

Welche Rolle spielen strukturelle Risikofaktoren?

Die Ergebnisse des Glücksspiel-Surveys beantworten nicht die Frage, warum sich Hybrid-Spieler von den beiden anderen Gruppen unterscheiden. Sie zeigen lediglich, dass zwischen kanalübergreifendem Spielverhalten und stärkeren glücksspielbezogenen kognitiven Verzerrungen ein Zusammenhang besteht.

Mögliche Erklärungsansätze liefert eine Schweizer Untersuchung zu Sportwetten mit hybridem Vertriebskanal. Die Autoren weisen darauf hin, dass hybride Spielformen mehrere strukturelle Merkmale miteinander verbinden können. Diese werden bereits seit Langem als potenzielle Risikofaktoren für problematisches Spielverhalten diskutiert. 

Dazu gehören eine hohe Verfügbarkeit von Glücksspielangeboten, eine große Zahl möglicher Wettgelegenheiten, die einfache Zugänglichkeit sowie die zunehmende Integration des Wettens in alltägliche Situationen.

Ähnliche Mechanismen werden auch im Zusammenhang mit hochdynamischen Finanzprodukten diskutiert. Welche psychologischen Parallelen zwischen Daytrading und Glücksspiel bestehen, erklären wir in unserem Beitrag über Daytrading und Glücksspiel.

Die Studie trifft zwar keine Aussagen über Hybrid-Spieler im Sinne des Glücksspiel-Surveys 2025. Sie verdeutlicht aber, dass sich mit der verstärkten Verzahnung digitaler und stationärer Angebote auch die Spielbedingungen verändern können. So entsteht ein Forschungsfeld, das über die klassische Unterscheidung zwischen Online- und stationärem Glücksspiel hinausgeht.

Warum verdienen Hybrid-Spieler mehr Aufmerksamkeit?

Die Erkenntnisse des Glücksspiel-Surveys 2025 sowie aktuelle Untersuchungen zu hybriden Spielformen deuten darauf hin, dass sich kanalübergreifendes Spielverhalten nicht ohne Weiteres den klassischen Kategorien „online“ oder „stationär“ zuordnen lässt. 

Hybrid-Spieler bewegen sich zwischen unterschiedlichen Spielumgebungen. Hybride Vertriebsmodelle kombinieren vermehrt digitale und landbasierte Elemente miteinander. 

Deshalb stellt sich eine grundsätzliche Frage: Reicht die bisherige Einteilung des Glücksspielmarktes überhaupt noch aus, um modernes Spielverhalten angemessen zu beschreiben?

Dies betrifft nicht nur die Forschung, sondern auch den Spielerschutz. Viele Präventions- und Früherkennungssysteme basieren auf Daten einzelner Anbieter oder Spielumgebungen. Fachleute weisen darauf hin, dass problematisches Spielverhalten häufig über mehrere Anbieter oder verschiedene Spielkontexte hinweg stattfindet. So besteht die Gefahr, dass einzelne Datensätze nur einen Teil des tatsächlichen Spielverhaltens abbilden.

Ob Hybrid-Spieler künftig auch regulatorisch als eigenständige Risikogruppe betrachtet werden sollten, lässt sich auf Grundlage der derzeit verfügbaren Studien nicht beantworten. Die bisherigen Erkenntnisse sprechen jedoch dafür, kanalübergreifendes Spielverhalten künftig stärker in den Blick zu nehmen. Dies gilt sowohl für die Forschung als auch die Weiterentwicklung von Präventions- und Spielerschutzmaßnahmen.

Fazit

Es steigt die Zahl der Spielenden, deren Verhalten sich nicht mehr eindeutig einer einzigen Umgebung zuordnen lässt. Der Glücksspiel-Survey 2025 zeigt, dass sich Hybrid-Spieler in wichtigen Merkmalen von reinen Online- und stationären Spielern unterscheiden. 

Darüber hinaus verdeutlichen aktuelle Untersuchungen, dass hybride Spielformen neue strukturelle Herausforderungen mit sich bringen können.

Ob Hybrid-Spieler tatsächlich eine eigenständige Risikogruppe darstellen, müssen künftige Studien belegen. Schon heute spricht jedoch vieles dafür, dass Hybrid Gambling nicht länger nur als Kombination zweier Spielkanäle zu betrachten ist. 

Es dürfte sich zu einem eigenständigen Forschungsfeld entwickeln, das für Wissenschaft, Prävention und die Glücksspielbranche gleichermaßen an Bedeutung gewinnt.

FAQ

F: Was versteht man unter Hybrid Gambling?

A: Der Begriff Hybrid Gambling wird nicht einheitlich verwendet. Im Glücksspiel-Survey 2025 bezeichnet er Personen, die sowohl Online- als auch stationäre Glücksspielangebote nutzen. Andere Studien verwenden den Begriff für hybride Vertriebsmodelle, etwa wenn Sportwetten über eine App vorbereitet und anschließend an einer Verkaufsstelle abgeschlossen werden. Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass sie die zunehmende Verzahnung digitaler und stationärer Glücksspielangebote beschreiben.

F: Sind Hybrid-Spieler stärker gefährdet als andere Spieler?

A: Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 erreichen Hybrid-Spieler deutlich höhere Werte bei glücksspielbezogenen kognitiven Verzerrungen als reine Online- oder stationäre Spieler. Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass Hybrid Gambling automatisch ein erhöhtes Risiko für problematisches Spielverhalten bedeutet. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, belegt jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.

F: Warum interessieren sich Forschung und Spielerschutz für Hybrid Gambling?

A: Mit der Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen Online- und stationärem Glücksspiel. So entstehen neue Fragen, etwa wie sich kanalübergreifendes Spielverhalten entwickelt und ob bestehende Präventions- und Früherkennungssysteme dieses Verhalten ausreichend erfassen können.

F: Ist Hybrid Gambling in Deutschland reguliert?

A: Für Hybrid Gambling existiert derzeit keine eigenständige rechtliche Definition im deutschen Glücksspielrecht. Je nach Spielform gelten die jeweiligen gesetzlichen Vorgaben für Online- oder stationäre Glücksspielangebote. Der Begriff wird vor allem in der Forschung verwendet, um neue Formen kanalübergreifenden Spielverhaltens oder hybrider Vertriebsmodelle zu beschreiben.

Quellen:

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Olga Artyushina
Redakteurin

Olga ist Content- und SEO-Strategist mit langjähriger Erfahrung im iGaming-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Inhalten rund um Online-Casinos, Nutzerverhalten und der strukturierten Aufbereitung komplexer Themen für unterschiedliche Zielgruppen.

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