EuGH verschärft Haftungsmaßstab für Google – rücken nun auch Casino-Streamer stärker in den Fokus?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Verantwortung digitaler Plattformen für rechtswidrige Glücksspielwerbung deutlich verschärft. Nach einer aktuellen Entscheidung kann Google unter bestimmten Voraussetzungen für illegale Glücksspielwerbung auf YouTube haftbar gemacht werden.

EuGH verschärft Haftungsmaßstab für Google – rücken nun auch Casino-Streamer stärker in den Fokus?
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Das Urteil könnte weit über klassische Werbeanzeigen hinausreichen und langfristig auch Auswirkungen auf den Umgang mit Casino-Streamern haben, die deutschsprachige Zielgruppen erreichen.

Die Entscheidung markiert einen weiteren Schritt in Richtung einer umfassenderen Regulierung digitaler Glücksspielwerbung. Während sich Aufsichtsbehörden bislang vor allem auf Anbieter und Werbenetzwerke konzentrierten, rücken nun zunehmend auch Plattformen als Verbreitungswege in den Mittelpunkt.

EuGH stärkt Verantwortung von Plattformen

Ausgangspunkt des Verfahrens war die Frage, in welchem Umfang Google für die Verbreitung rechtswidriger Glücksspielwerbung auf YouTube verantwortlich gemacht werden kann.

Nach Darstellung von GlücksWirtschaft stellt der EuGH klar, dass Plattformen sich nicht unbegrenzt auf ihre Rolle als technischer Vermittler berufen können. Erhalten sie Kenntnis von rechtswidrigen Inhalten und reagieren nicht angemessen, kann eine Haftung in Betracht kommen.

Für nationale Glücksspielaufsichten stärkt das Urteil damit die Möglichkeiten, künftig auch gegen Plattformbetreiber vorzugehen und deren Mitwirkung bei der Verbreitung unerlaubter Glücksspielangebote stärker einzufordern.

Google hat seine Glücksspielregeln bereits verschärft

Die Entscheidung trifft Google in einer Phase, in der der Konzern seine Glücksspielrichtlinien ohnehin kontinuierlich verschärft.

Bereits seit September 2024 dürfen in Deutschland über Google Ads grundsätzlich nur noch Anbieter werben, die über eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügen. Die Behörde sprach damals von einer spürbaren Verbesserung bei der Bekämpfung illegaler Glücksspielwerbung, mahnte jedoch weiteren Handlungsbedarf insbesondere im Bereich der Suchmaschinenoptimierung an.

Auch YouTube verschärfte seine Richtlinien Anfang 2025 erheblich. Seitdem sind nicht nur Links zu nicht von Google zertifizierten Glücksspielangeboten untersagt, sondern auch Logos, eingeblendete URLs oder verbale Verweise auf entsprechende Webseiten. Zudem können Inhalte mit Online-Casinos grundsätzlich mit einer Altersbeschränkung versehen werden.

Die offene Frage: Was bedeutet das für Casino-Streamer?

Während klassische Werbeanzeigen inzwischen deutlich stärker reguliert werden, bleibt ein Bereich besonders auffällig: deutschsprachige Casino-Streamer.

Ein erheblicher Teil der reichweitenstärksten Creator produziert seine Inhalte inzwischen aus Malta oder anderen Glücksspielstandorten und streamt regelmäßig Online-Casino-Sessions auf Plattformen wie YouTube oder Kick. Teilweise werden dabei Anbieter gezeigt oder beworben, die keine deutsche Glücksspiellizenz besitzen oder deren Angebote hierzulande nicht beworben werden dürfen.

Rechtlich ist die Lage allerdings komplex. Das bloße Zeigen von Glücksspiel ist nicht automatisch unzulässig. Anders kann die Bewertung ausfallen, wenn Streams Sponsorings, Affiliate-Links, Bonuscodes oder sonstige kommerzielle Empfehlungen für nicht erlaubte Glücksspielangebote enthalten. Dann kann aus Unterhaltung unter Umständen regulierungsrelevante Werbung werden.

Könnte die GGL künftig gegen Streamer vorgehen?

Das EuGH-Urteil beantwortet diese Frage nicht unmittelbar.

Es verschiebt jedoch den regulatorischen Schwerpunkt: Wenn Plattformen für die Verbreitung rechtswidriger Glücksspielwerbung stärker verantwortlich gemacht werden können, dürfte gleichzeitig auch die Frage an Bedeutung gewinnen, welche Verantwortung diejenigen tragen, die entsprechende Inhalte produzieren.

Die GGL hat in den vergangenen Jahren ihren Fokus kontinuierlich ausgeweitet – von Zahlungsdienstleistern über Werbenetzwerke bis hin zu Suchmaschinen. Dass die Behörde die Verschärfung der Google-Richtlinien ausdrücklich begrüßte, zeigt, dass Plattformen inzwischen als wichtiger Bestandteil der Vollzugsstrategie gelten.

Vor diesem Hintergrund erscheint es keineswegs ausgeschlossen, dass künftig auch reichweitenstarke Creator verstärkt in den Fokus geraten könnten – insbesondere dann, wenn ihre Inhalte gezielt deutsche Verbraucher ansprechen und als Werbung für nicht erlaubte Glücksspielangebote eingestuft werden.

Internationale Durchsetzung bleibt die Herausforderung

Genau hier liegt allerdings auch die größte Hürde.

Viele bekannte deutschsprachige Casino-Streamer wohnen offiziell in Malta oder anderen Jurisdiktionen außerhalb Deutschlands. Das erschwert verwaltungsrechtliche Maßnahmen erheblich. Gleichzeitig richtet sich ein großer Teil ihrer Inhalte weiterhin an ein deutschsprachiges Publikum.

Das EuGH-Urteil könnte deshalb mittelbar eine Entwicklung beschleunigen, bei der Aufsichtsbehörden zunächst Plattformen stärker in die Pflicht nehmen, problematische Inhalte zu entfernen oder deren Verbreitung einzuschränken, bevor unmittelbar gegen einzelne Creator vorgegangen wird.

Branchenweite Signalwirkung

Für die Glücksspielbranche ist die Entscheidung weit mehr als ein Einzelfall.

Der EuGH macht deutlich, dass sich digitale Plattformen ihrer Verantwortung bei der Verbreitung regulierter Inhalte nicht entziehen können. Gleichzeitig dürfte das Urteil den Druck auf Influencer und Casino-Streamer erhöhen, ihre Inhalte und Kooperationen sorgfältiger auf ihre Vereinbarkeit mit nationalem Glücksspielrecht zu prüfen.

Ob daraus tatsächlich Verfahren der GGL gegen einzelne Streamer entstehen, bleibt offen. Das Urteil liefert dafür keine unmittelbare Rechtsgrundlage. Es setzt jedoch ein deutliches regulatorisches Signal: Im Kampf gegen illegale Glücksspielwerbung richtet sich der Blick der Behörden zunehmend auf das gesamte digitale Ökosystem – von den Anbietern über die Plattformen bis hin zu den reichweitenstarken Gesichtern vor der Kamera.

Quellen:

Themen
GlücksspielRegulierung
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Cristoph Schroth
Glücksspiel Experte

Christoph ist iGaming Consultant mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Online-Casino, Sportwetten und regulatorische Compliance. Er berät Betreiber und Start-ups bei Markteintritt, Produktstrategie, Lizenzierung und Performance-Optimierung. Sein Fokus liegt auf nachhaltigem Wachstum, datengetriebenen Entscheidungen und der erfolgreichen Positionierung in stark regulierten Märkten.

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