Sportradar Q2: Prognosemärkte sollen 2026 Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe bringen
Das Sporttechnologie-Unternehmen erklärte, dass verzögerte Vereinbarungen im Bereich der Prognosemärkte zur Senkung des Ausblicks für 2026 beigetragen haben. Gleichzeitig erwartet Sportradar, dass sich der noch junge Markt in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickelt.
Sportradar widmete einen Großteil seiner Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen dem Thema Prediction Markets. Das Management erklärte, dass der aufstrebende Markt bereits 2026 Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe (Euro) erzielen soll. Für 2027 rechnet das Unternehmen sogar mit deutlich höheren Erlösen.
Obwohl Sportradar im zweiten Quartal ein Umsatzwachstum von 19 % verzeichnete und Partnerschaften mit Kalshi und Polymarket abschloss, räumte das Management ein, dass die Verhandlungen mit Sportligen und weiteren Marktteilnehmern länger dauerten als erwartet. Diese Verzögerungen waren ein wesentlicher Grund dafür, dass das Unternehmen seine Finanzprognose für das Gesamtjahr nach unten angepasst hat.
Prediction Markets sollen Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe erzielen
Das Management von Sportradar hat weitere Einblicke in die Wachstumspläne rund um Prediction Markets gegeben. Nach Angaben des Unternehmens soll das noch junge Geschäftsfeld bereits 2026 Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe (Euro) erwirtschaften. Für 2027 rechnet Sportradar mit einem deutlich stärkeren Umsatzwachstum.
CEO Carsten Koerl erklärte, dass sich die Verhandlungen länger hingezogen hätten als ursprünglich erwartet. Ein Grund dafür sei gewesen, dass Sportradar zunächst die Zustimmung verschiedener Sportligen einholen musste, bevor das Unternehmen sein Angebot im Bereich Prediction Markets ausbauen konnte.
2026 war für uns ein arbeitsintensives Jahr. Wir mussten nicht nur die Verträge verhandeln, sondern auch unsere Liga-Partner davon überzeugen, diesen Schritt mitzugehen. Mit einigen befinden wir uns noch immer in Gesprächen. Wir sind jedoch sehr zuversichtlich, dass wir den richtigen Rahmen dafür geschaffen haben.
Auch CFO Craig Felenstein betonte, dass die verzögerten Vertragsabschlüsse und die dadurch entgangenen Umsätze maßgeblich dazu beigetragen hätten, dass Sportradar seine Umsatzprognose für 2026 nach unten korrigieren musste. Trotz der Verzögerungen zeigt sich das Management vom langfristigen Potenzial des Marktes überzeugt.
Kaum Auswirkungen auf klassische Sportwetten
Zudem wies Sportradar Bedenken zurück, Prediction Markets könnten klassische Sportwetten verdrängen. Auf Nachfrage von Analysten erklärte Koerl, dass die bisherigen Erkenntnisse der Kunden auf nur sehr geringe Kannibalisierungseffekte hindeuteten.
Nach Angaben unserer Kunden gibt es nur eine sehr begrenzte Kannibalisierung.
Koerl ergänzte, dass ein Großteil der Umsätze mit Prediction Markets derzeit aus US-Bundesstaaten wie Kalifornien, Texas und Florida stammt – Regionen, in denen Sportwetten nur eingeschränkt oder gar nicht legal angeboten werden. Dadurch erschließen Prediction Markets vor allem neue Märkte, anstatt bestehende Sportwettenangebote zu ersetzen.
Sportradar baut seine Position im Prediction-Market-Ökosystem aus
Neben dem positiven Ausblick für Prediction Markets hat Sportradar auch seine Strategie vorgestellt, sich als technischer Infrastrukturanbieter für den gesamten Prediction-Market-Sektor zu etablieren.
Bereits heute bestehen mehrjährige Partnerschaften mit den Plattformen Kalshi und Polymarket. Sportradar liefert diesen unter anderem offizielle Sportdaten, Live-Quoten, Streaming-Inhalte, Integritätslösungen sowie Tools für Fan-Engagement und die Neukundengewinnung.
Die Kooperationen gehen jedoch noch einen Schritt weiter: Sportradar arbeitet künftig auch direkt mit den Partnern der Börsen zusammen, darunter Broker und Market Maker. Dadurch erschließen sich zusätzliche Umsatzquellen, die über die Zusammenarbeit mit den Prediction-Market-Plattformen selbst hinausgehen.
CEO Carsten Koerl erklärte zudem, dass sich das Unternehmen mit weiteren Marktteilnehmern in fortgeschrittenen Gesprächen befinde. Zusätzliche Partnerschaften sollen in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung ultraschneller Datenfeeds speziell für Market Maker. Laut Koerl sind eine minimale Latenz und besonders umfangreiche Echtzeitdaten entscheidende Erfolgsfaktoren für Prediction Markets. Ein entsprechender Low-Latency-Datenfeed soll pünktlich zu den US Open sowie zum Start der neuen NBA-Saison eingeführt werden.
Auch finanziell zeigt sich Sportradar optimistisch: Zwar sei jede Vereinbarung mit Prediction-Market-Anbietern individuell strukturiert, CFO Craig Felenstein betonte jedoch, dass das Unternehmen keine geringeren wirtschaftlichen Erträge erwartet als bei vergleichbaren Partnerschaften mit klassischen Sportwettenanbietern.
PlayRadar soll Sportwetten und iGaming stärker verzahnen
Neben Prediction Markets setzt Sportradar verstärkt auf den Ausbau seiner neuen PlayRadar-Plattform, die Sportwetten und Online-Casino-Angebote in einer gemeinsamen Lösung vereint.
CEO Carsten Koerl erklärte, dass Kunden, die sowohl Sportwetten als auch iGaming-Angebote nutzen, für Betreiber einen bis zu fünfmal höheren Customer Lifetime Value (CLV) erzielen können als reine Sportwetten-Kunden.
PlayRadar bietet ein 24/7-Unterhaltungserlebnis, bei dem Live-Sportereignisse mit passenden Casino-Spielen kombiniert werden. Ergänzt wird das Angebot durch historische Sportspiele, die auf legendären Sportmomenten basieren.
Laut der Investorenpräsentation ist PlayRadar bereits in mehreren Märkten verfügbar, darunter Großbritannien und die kanadische Provinz Ontario. Im dritten Quartal soll die Plattform außerdem in den US-Bundesstaaten Michigan und New Jersey sowie im neu regulierten Markt von Alberta an den Start gehen.
Koerl kündigte zudem an, dass Sportradar PlayRadar im September auf dem SBC Summit in Lissabon offiziell einem breiteren Fachpublikum präsentieren wird.
Sportradar weist Vorwürfe von Leerverkäufern zurück
Im Rahmen der Telefonkonferenz ging das Management auch kurz auf die Vorwürfe eines Short Sellers ein, die bereits die Präsentation der Quartalszahlen zum ersten Quartal überschattet hatten.
Auf entsprechende Nachfragen erklärte CEO Carsten Koerl, dass der Prüfungsausschuss (Audit Committee) von Sportradar die Anschuldigungen gemeinsam mit der externen Anwaltskanzlei Paul Hastings untersucht habe. Das Ergebnis: Die erhobenen Vorwürfe seien unbegründet und zeichneten „ein irreführendes Bild“ des Unternehmens.
Koerl betonte außerdem, dass Sportradar über ein strenges Compliance- und Kontrollsystem verfüge. Als Beleg für das anhaltende Vertrauen in das Unternehmen verwies er auf jüngste behördliche Genehmigungen sowie die Verlängerung bedeutender Rechtepartnerschaften – darunter Wimbledon und der DFB-Pokal. Diese Entwicklungen unterstrichen aus Sicht des Managements die starke Marktposition und das Vertrauen wichtiger Partner in Sportradar.
Umsatz wächst um 19 % – Sportradar senkt Jahresprognose
Sportradar hat im zweiten Quartal erneut ein zweistelliges Umsatzwachstum erzielt, blieb jedoch leicht hinter den Erwartungen der Analysten zurück und reduzierte zugleich seine Prognose für das Gesamtjahr. An der Börse kamen die Zahlen schlecht an: Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel zeitweise rund 19 %. Zudem fiel der Quartalsverlust höher aus als von Analysten erwartet.
Die wichtigsten Kennzahlen des zweiten Quartals:
- Umsatz: 377,8 Mio. Euro (+19 % gegenüber Vorjahr; Analystenerwartung: 381,7 Mio. Euro)
- Betting Technology & Solutions: 315,4 Mio. Euro (+21 %)
- Sports Content, Technology & Services: 62,4 Mio. Euro (+9 %)
- Nettoverlust: 4 Mio. Euro (Vorjahr: 49 Mio. Euro Gewinn)
- Bereinigtes EBITDA: 76,3 Mio. Euro (+19 %)
- EBITDA-Marge: 20,2 %
- Free Cashflow (1. Halbjahr): 103 Mio. Euro (+23 %)
- Aktienrückkäufe: 140 Mio. US-Dollar im zweiten Quartal, insgesamt 422 Mio. US-Dollar seit Start des Rückkaufprogramms
Als Hauptgründe für den Quartalsverlust nannte Sportradar nicht realisierte Wechselkursverluste auf in US-Dollar denominierte Sportrechte sowie Restrukturierungskosten im Rahmen laufender Effizienzprogramme.
Prognose für 2026 nach unten angepasst
Sportradar senkte außerdem seine Erwartungen für das Gesamtjahr. Statt eines währungsbereinigten Umsatzwachstums von 23 bis 25 % rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 19 bis 21 %. Die neue Umsatzprognose liegt zwischen 1,518 und 1,533 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA soll 360 bis 368 Millionen Euro erreichen.
Finanzchef Craig Felenstein führte die Anpassung auf drei wesentliche Faktoren zurück:
- eine anhaltende Abschwächung des US-Marktes für Online-Sportwetten,
- steuerliche und regulatorische Belastungen für Wettanbieter in mehreren Märkten,
- sowie den später als erwarteten Abschluss wichtiger Partnerschaften im Bereich Prediction Markets.
Trotz der gesenkten Prognose blickt das Management optimistisch auf die zweite Jahreshälfte. Prediction Markets sollen nach Einschätzung des Unternehmens künftig einen immer wichtigeren Beitrag zum Wachstum leisten und mittelfristig zu einem bedeutenden Umsatztreiber werden.
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