Ole Miss beantragt 2 Millionen US-Dollar für Forschung und Behandlung von Glücksspielsucht
Die University of Mississippi (Ole Miss) hat die Landesregierung um eine jährliche Förderung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar gebeten. Mit den Mitteln sollen das neu gegründete Center on Collegiate Gambling sowie die geplante Mississippi Gambling Clinic finanziert werden. Ziel ist es, die Forschung zu problematischem Glücksspiel voranzutreiben und das Behandlungsangebot für Betroffene im Bundesstaat auszubauen.
Die Einführung von Online-Sportwetten steckt in Mississippi bereits zum dritten Mal in Folge fest. Unabhängig von der rechtlichen Lage beobachten Experten der neu gegründeten University of Mississippi Center on Collegiate Gambling (CCG) jedoch zunehmende Probleme durch Online-Glücksspiel.
Obwohl sich das CCG im politischen Streit um die Legalisierung mobiler Sportwetten neutral positioniert, machte die Universität bei ihrem Antrag auf eine jährliche Förderung von 2 Millionen US-Dollar deutlich, dass Handlungsbedarf besteht.
Sollte die Finanzierung bewilligt werden, soll das Geld auf zwei Projekte verteilt werden: das Center on Collegiate Gambling (CCG) und die geplante Mississippi Gambling Clinic (MGC).
Eine Million US-Dollar soll in die Arbeit des CCG fließen. Der Schwerpunkt liegt auf Forschung, Aufklärung und politischen Handlungsempfehlungen rund um Glücksspiel unter Studierenden sowie Wetten auf College-Sport. Die zweite Million ist für den Aufbau universitärer Glücksspiel-Ambulanzen vorgesehen, die der gesamten Bevölkerung offenstehen. Diese sollen unabhängig von den bereits bestehenden Beratungsangeboten der Universität für Studierende arbeiten.
„Ob legal oder nicht – das Problem ist bereits da“, sagte Dr. Daniel Durkin, Mitgründer des CCG, im Gespräch mit Gambling Insider. Der Professor für Soziale Arbeit ergänzte: „Wir müssen etwas dagegen unternehmen.“
Mississippi stellt keine öffentlichen Mittel für Glücksspielsucht bereit
Im Rahmen der Präsentation für die Abgeordneten, die Gambling Insider vorliegt, verdeutlichte die University of Mississippi das Ausmaß des Problems.
Rund 20 Millionen US-Amerikaner – etwa 8 % der erwachsenen Bevölkerung – haben im vergangenen Jahr mindestens ein problematisches Glücksspielverhalten gezeigt.
Nach Schätzungen des National Council on Problem Gambling (NCPG) verursacht problematisches Glücksspiel jährlich gesellschaftliche Kosten von rund 14 Milliarden US-Dollar. Dazu zählen unter anderem Arbeitsplatzverluste, Verschuldung und Insolvenzen sowie Ausgaben für Justiz und Gesundheitsversorgung.
Auch in Mississippi ist das Problem erheblich: Schätzungsweise 4 % der Erwachsenen erfüllen die Kriterien einer Glücksspielsucht. Gleichzeitig sucht nur etwa jede zehnte betroffene Person professionelle Hilfe.
Mississippi gehört zudem zu nur neun US-Bundesstaaten, die keine öffentlichen Mittel für Prävention und Behandlung von Glücksspielsucht bereitstellen. Bis 2018 erhielt der Mississippi Council on Problem and Compulsive Gambling (MCPCG) noch jährlich 100.000 US-Dollar aus staatlichen Geldern – diese Förderung wurde jedoch eingestellt.
Studierende sind besonders gefährdet
Auf dem Campus zeigt sich das Problem noch deutlicher.
Eine Umfrage der University of Mississippi unter Hochschulen des Hochschulverbunds Mississippi Institutions of Higher Learning (IHL) ergab im Jahr 2025, dass rund 40 % der Studierenden innerhalb der vergangenen zwölf Monate Glücksspiele genutzt haben. Den größten Anteil der Ausgaben machten Lotterien, Rubbellose und Sportwetten aus.
Besonders häufig spielten Studierende, die außerhalb des Campus wohnen, aktiv Sport treiben, Mitglied einer Studentenverbindung sind sowie sich als weiß und männlich identifizieren. Laut Dr. Daniel Durkin ist die Studentengruppe besonders anfällig für problematisches Glücksspiel – unter anderem aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Gehirnentwicklung.
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass das Gehirn erst Mitte 20 vollständig entwickelt ist. Zu den Bereichen, die sich zuletzt ausbilden, gehört der präfrontale Kortex – er ist unter anderem für Entscheidungsfindung und Impulskontrolle verantwortlich.
Hinzu kommt, dass viele junge Erwachsene während des Studiums erstmals von zu Hause wegziehen und ihre Finanzen eigenständig verwalten müssen. Diese Kombination könne schnell zur Belastung werden.
Während Experten davon ausgehen, dass 1 bis 2 % der Gesamtbevölkerung eine schwere Glücksspielsucht entwickeln, liegt dieser Anteil unter Studierenden bei etwa 6 %. Das verdeutlicht laut Durkin, wie hoch das Risiko in dieser Altersgruppe ist.
Besonders auffällig ist die Situation bei Sportwetten: Von den Studierenden, die auf Sportereignisse wetten, erfüllten laut der IHL-Studie knapp 16 % die Kriterien für ein mittelschweres bis schweres problematisches Glücksspielverhalten.
Erstes Forschungszentrum für Hochschul-Glücksspiel in den USA
Ende März gab die University of Mississippi (Ole Miss) die Gründung des Center on Collegiate Gambling (CCG) bekannt. Nach Angaben der Universität handelt es sich dabei um das erste Forschungszentrum in den USA, das sich ausschließlich mit Glücksspiel im Hochschulumfeld beschäftigt.
Wie Dr. Daniel Durkin gegenüber Gambling Insider erklärte, entstand die Idee bereits vor rund drei Jahren. Auslöser war ein Vortrag vor der Coalition on Intercollegiate Athletics (COIA), einem ehrenamtlichen Beratungsgremium der Hochschulfakultäten für die NCAA. Durkin ist Vorsitzender des Lenkungsausschusses der COIA.
Während des Vortrags wurden Statistiken zu problematischem Glücksspiel sowie die Funktionsweise moderner Wett-Apps vorgestellt. Das habe ihn mit Blick auf die Studierenden von Ole Miss „sehr beunruhigt“, so Durkin.
Zurück an der Universität wandte er sich gemeinsam mit Ronald Rychlak von der juristischen Fakultät an die Hochschulleitung. Ihr Ziel: Das Thema systematisch untersuchen und konkrete Maßnahmen entwickeln.
Als ersten Schritt initiierte das Team eine hochschulübergreifende Umfrage an den Einrichtungen des Hochschulverbunds Mississippi Institutions of Higher Learning (IHL). Unterstützung erhielten sie von Dr. George McClellan aus dem Fachbereich Hochschulbildung, der bereits ähnliche Studien in Missouri und Arizona begleitet hatte.
Die Ergebnisse zeigten, dass Studierende in Mississippi trotz des Verbots von Online-Glücksspiel ähnlich häufig spielen wie Studierende in anderen US-Bundesstaaten. Für Durkin und seine Mitstreiter war das der entscheidende Beleg, das Forschungszentrum ins Leben zu rufen.
Zwar existieren bereits einige Einrichtungen in den USA, die sich mit Glücksspiel beschäftigen – etwa an den Universitäten Rutgers, Arizona oder East Carolina. Diese befassen sich jedoch mit Glücksspiel allgemein. Das neue Zentrum in Mississippi konzentriert sich dagegen ausschließlich auf das Hochschulumfeld, wo insbesondere Sportwetten eine immer größere Rolle spielen.
Finanzierung für Glücksspielsucht in Mississippi dringend erforderlich
Nach der Zustimmung der University of Mississippi und des Hochschulverbunds Mississippi Institutions of Higher Learning (IHL) konzentrierte sich das Team um Dr. Daniel Durkin auf die Finanzierung des neuen Center on Collegiate Gambling (CCG). Zum Gründungsteam gehören neben Ronald Rychlak und Dr. George McClellan auch Dr. Hannah Allen-King und Dr. Nicholas McAfee vom William Magee Center, in dem das Forschungszentrum angesiedelt ist.
Bislang hat das Team lediglich einen offiziellen Förderantrag beim Parlament des Bundesstaates Mississippi gestellt.
Durkin zeigte sich nach der Präsentation vor den Abgeordneten vorsichtig optimistisch. Wie sich die Politik entscheiden werde, sei jedoch schwer vorherzusagen. Seit mittlerweile vier Jahren werde in Mississippi über die Legalisierung von Online-Sportwetten diskutiert, ohne dass bislang eine Einigung erzielt wurde.
Zwar hat das Repräsentantenhaus in den vergangenen drei Jahren jeweils einen Gesetzentwurf für mobile Sportwetten verabschiedet, im Senat scheiterten die Vorhaben jedoch jedes Mal.
Sollten Online-Sportwetten künftig legal werden, hofft Durkin, dass ein Teil der Steuereinnahmen direkt in Forschung und Behandlung von Glücksspielsucht fließt.
Wir haben die Zahlen analysiert. Bereits 0,5 % der Einnahmen würden ausreichen, um unser Zentrum vollständig zu finanzieren.
Als Vorbild nennt Durkin den Bundesstaat Tennessee. Dort werden seit der Legalisierung von Online-Sportwetten 5 % der Glücksspielsteuereinnahmen gezielt für Forschung und Behandlung von Glücksspielsucht verwendet. Doch auch ohne eine Legalisierung bleibe zusätzlicher Handlungsbedarf bestehen. Unabhängig davon, ob Online-Sportwetten erlaubt seien oder nicht, brauche Mississippi dringend mehr Mittel für Prävention, Forschung und Therapie. Nach Einschätzung Durkins habe der Bundesstaat in diesem Bereich bereits erheblichen Nachholbedarf.
Entscheidung über die Förderung fällt Anfang 2027
Eine Entscheidung über den Förderantrag wird das Parlament von Mississippi voraussichtlich erst Anfang 2027 treffen. Laut Dr. Daniel Durkin könnte sich der Beschluss sogar bis März 2027 hinziehen.
Parallel dazu sucht das Center on Collegiate Gambling (CCG) nach weiteren Geldgebern. Finanzielle Unterstützung aus der Glücksspielbranche möchte das Forschungszentrum jedoch nach Möglichkeit vermeiden.
Durkin verwies darauf, dass DraftKings als Sponsor der Jahreskonferenz des National Council on Problem Gambling (NCPG) auftrat und auch die renommierte International Conference on Gambling & Risk Taking an der University of Nevada, Las Vegas (UNLV) vollständig von Unternehmen der Glücksspielbranche finanziert wird.
Er räumte ein, dass viele Forschungseinrichtungen angesichts begrenzter Fördermöglichkeiten auf Gelder aus der Industrie angewiesen seien. Das CCG wolle jedoch möglichst unabhängig bleiben.
Sollte das Zentrum künftig doch Spenden aus der Branche annehmen, käme dies laut Durkin allenfalls unter klaren Auflagen infrage – etwa wenn die Mittel ausschließlich für Präventions- und Aufklärungsprogramme verwendet würden.
Zwar unterhält die University of Mississippi bereits Kontakte zum von einem indigenen Stamm betriebenen Pearl River Casino, dennoch bleibt Durkin zurückhaltend: Er schließe eine Zusammenarbeit zwar nicht grundsätzlich aus, würde sie jedoch nach Möglichkeit vermeiden.
CCG entwickelt Maßnahmenplan für den Campus
Bis über die beantragte Finanzierung entschieden ist, will das Center on Collegiate Gambling (CCG) seine Möglichkeiten bestmöglich ausschöpfen. Laut Dr. Daniel Durkin arbeitet das Team derzeit mit begrenzten finanziellen Mitteln an ersten Projekten.
Zuletzt wurde eine hochschulweite Arbeitsgruppe eingerichtet, die einen Maßnahmenplan speziell für den Campus der University of Mississippi (Ole Miss) erarbeitet. Beteiligt sind Vertreter verschiedener Bereiche der Universität – darunter Wohnen, Studienfinanzierung und weitere Abteilungen, die mit Studierenden in Kontakt stehen, die von Glücksspielproblemen betroffen sein könnten.
Der fertige Bericht mit konkreten Handlungsempfehlungen soll in Kürze der Universitätsleitung vorgelegt werden. Sobald das CCG die beantragten Fördermittel erhält, möchte es zudem andere Hochschulen in Mississippi unterstützen. Geplant ist unter anderem, den Universitäten bei der Entwicklung eigener Präventions- und Handlungskonzepte zu helfen.
Dabei betont Durkin, dass es keine universelle Lösung gebe. Maßnahmen, die an der University of Mississippi erfolgreich sind, müssten nicht zwangsläufig auch an anderen Hochschulen funktionieren. Deshalb solle jede Universität ein Konzept entwickeln, das auf ihre eigenen Gegebenheiten und Herausforderungen zugeschnitten ist.
Geplante Glücksspiel-Ambulanzen sollen Hilfe im ganzen Bundesstaat bieten
Nach Angaben von Dr. Daniel Durkin können die bestehenden psychologischen Beratungsstellen der University of Mississippi Menschen mit ersten Anzeichen problematischen Glücksspielverhaltens unterstützen. Wer jedoch bereits an einer ausgeprägten Glücksspielsucht leidet, müsse derzeit an externe Behandlungseinrichtungen verwiesen werden.
Mit den beantragten Fördermitteln möchte das Center on Collegiate Gambling (CCG) spezialisierte Fachkräfte direkt an der Universität einstellen, um auch schwerere Fälle vor Ort behandeln zu können. Dieses Fachwissen soll anschließend anderen Hochschulen in Mississippi zur Verfügung gestellt werden – sowohl durch persönliche Besuche als auch über Telemedizin.
Langfristig könnte das Angebot zudem über die Studierendenschaft hinaus ausgeweitet werden.
Uns ist bewusst, dass wahrscheinlich auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Glücksspielprobleme entwickeln. Deshalb möchten wir die Kapazitäten schaffen, um auch ihnen helfen zu können. Aber wir gehen Schritt für Schritt vor: Zunächst kümmern wir uns um unsere eigenen Studierenden, dann um Studierende im gesamten Bundesstaat. Wenn wir die notwendige Infrastruktur aufgebaut haben, können wir das Angebot später auch auf die allgemeine Bevölkerung ausweiten.
Die geplanten Mississippi Gambling Clinics sollen nach ihrer Einrichtung allen Einwohnern Mississippis offenstehen. Ziel ist es, erstmals ein flächendeckendes Angebot für spezialisierte Behandlung von Glücksspielsucht zu schaffen und Betroffenen im gesamten Bundesstaat einen einheitlichen Zugang zu qualitativ hochwertiger Unterstützung zu ermöglichen.
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