Glücksspielforschung: Warum die Branche das Spielverhalten besser verstehen will

Neue Ansätze aus der Verhaltensökonomie könnten die Glücksspielforschung in den kommenden Jahren verändern. Experten sehen Nachholbedarf bei der Analyse des Spielverhaltens von Freizeitspielern – ein Bereich, der bislang deutlich weniger wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhält als problematisches Glücksspiel. Dies war eines der zentralen Themen einer aktuellen Sonderausgabe des WestLotto-Podcasts „SpielStudio“, in der Vertreter aus Wissenschaft und Praxis über die Zukunft der Glücksspielforschung diskutierten.

Glücksspielforschung: Warum die Branche das Spielverhalten besser verstehen will
KI-generiertes Bildmaterial

Fokus liegt bislang auf problematischem Spielverhalten

Die Forschung im Glücksspielsektor konzentriert sich traditionell auf Prävention, Spielsucht und die Entwicklung von Schutzmaßnahmen. Nach Einschätzung der Experten liefert dieser Schwerpunkt zwar wichtige Erkenntnisse, beantwortet jedoch nur einen Teil der Fragen, die für Regulierung und Produktentwicklung relevant sind.

Aus Sicht der Verhaltensökonomie fehlen belastbare Daten darüber, wie Freizeitspieler Risiken einschätzen, Entscheidungen treffen oder auf unterschiedliche Produktmerkmale wie Quoten, Gebühren oder Jackpot-Höhen reagieren. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse könnte sowohl regulatorische Entscheidungen als auch Maßnahmen zum Spielerschutz auf eine breitere wissenschaftliche Grundlage stellen.

Verhaltensökonomie rückt stärker in den Fokus

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Forschung von Dr. Sebastian O. Schneider vom Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik. Schneider wurde 2026 mit dem Deutschen Nachwuchsforschungspreis Glücksspielforschung für seine Arbeit zu sogenannten Risikopräferenzen höherer Ordnung ausgezeichnet. Seine Studie untersucht, wie Menschen Entscheidungen unter Unsicherheit treffen und inwieweit sich daraus Rückschlüsse auf reales Verhalten ziehen lassen.

Auch wenn die Forschung nicht speziell für den Glücksspielmarkt entwickelt wurde, sehen Branchenvertreter Potenzial für zukünftige Anwendungen. Denkbar wären beispielsweise wissenschaftlich fundierte Instrumente, die individuelle Risikoneigungen besser erfassen und langfristig zur Weiterentwicklung des Spielerschutzes beitragen könnten. Die Forschenden betonen jedoch, dass hierfür weitere Untersuchungen erforderlich sind und derzeit keine marktreifen Lösungen existieren.

Mehr Daten könnten Regulierung verbessern

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für regulatorische Entscheidungen. Nach Ansicht der Gesprächsteilnehmer reichen Erfahrungswerte einzelner Betreiber oder Marktbeobachtungen allein nicht aus, um die Auswirkungen von Produktgestaltung oder gesetzlichen Vorgaben umfassend zu bewerten.

Stattdessen könnten anonymisierte Datenanalysen und interdisziplinäre Forschung dazu beitragen, besser zu verstehen, welche Faktoren das Verhalten von Spielern beeinflussen. Langfristig könnte dies Regulierungsbehörden und Anbietern ermöglichen, Spielerschutzmaßnahmen gezielter und evidenzbasierter weiterzuentwickeln.

Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Branche

Ein zentrales Fazit der Diskussion lautet, dass Fortschritte nur durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung, Glücksspielanbietern und Regulierungsbehörden möglich sind. Während Wissenschaftler Zugang zu anonymisierten Daten benötigen, könnten Unternehmen von fundierten Analysen profitieren, die über reine Marktbeobachtungen hinausgehen.

Gleichzeitig betonten die Beteiligten die Bedeutung wissenschaftlicher Unabhängigkeit. Forschungsergebnisse müssten nachvollziehbar, überprüfbar und frei von wirtschaftlichen Interessen entstehen, um als Grundlage für zukünftige Regulierungsentscheidungen dienen zu können.

Quellen:

    Themen
    GlücksspielSportwettenVerantwortungsvolles Glücksspiel
    Bleiben Sie mit GI auf dem Laufenden
    Folgen Sie Gambling Insider für unabhängige News, Analysen und Branchenexpertise.
    Cristoph Schroth
    Glücksspiel Experte

    Christoph ist iGaming Consultant mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Online-Casino, Sportwetten und regulatorische Compliance. Er berät Betreiber und Start-ups bei Markteintritt, Produktstrategie, Lizenzierung und Performance-Optimierung. Sein Fokus liegt auf nachhaltigem Wachstum, datengetriebenen Entscheidungen und der erfolgreichen Positionierung in stark regulierten Märkten.

    Profil ansehen

    Gambling Insider liefert die neuesten Branchennachrichten, ausführliche Features und Bewertungen von Anbietern, denen Sie vertrauen können. Unser Team kombiniert strenge redaktionelle Standards mit jahrzehntelanger Fachkompetenz, um Genauigkeit und Fairness zu gewährleisten. Wir sind bestrebt, klare, unparteiische und zuverlässige Berichterstattung über den globalen Glücksspielsek

    Mehr News