WSOP-Patchkrieg: Wer beim Finaltisch im TV sichtbar sein darf
Mit dem Start des WSOP Main Event-Finaltischs am 4. August richten sich alle Blicke auf die Karten – und auf die Sponsoren-Patches der Spieler. Doch wer entscheidet eigentlich, welche Logos im Fernsehen zu sehen sind und welche nicht?
Unter der Führung von GGPoker hat die World Series of Poker (WSOP) ein nicht öffentliches Genehmigungsverfahren für Sponsoren-Patches eingeführt. Auffällig dabei: Ausgerechnet die Logos von Unternehmen, die mit dem Eigentümer konkurrieren, sollen nicht zugelassen werden. Wer letztlich hinter der Unternehmensstruktur steht, bleibt jedoch unklar. Die Muttergesellschaft ist auf den Britischen Jungferninseln registriert, ihre Eigentümer werden nicht offengelegt.
Gambling Insider veröffentlicht heute erstmals eine ausführliche Recherche zu den sogenannten „WSOP Patch Wars“ und beleuchtet die möglichen Hintergründe dieser Entscheidungen.
Ein Vorfall vom 6. Juli während der WSOP in Las Vegas zeigt, wie streng die neuen Regeln umgesetzt werden. Mitten in einem Turnier wurde der Freizeitspieler „Uncle Ron“ von einem Floor-Mitarbeiter unterbrochen – nicht wegen langsamen Spiels oder unangemessenen Verhaltens, sondern wegen der Sponsoren-Patches auf seiner Kleidung.
„Der Floor-Mitarbeiter sagte mir, ich müsse die Patches besser abdecken. Ich versuche doch einfach nur Poker zu spielen!“, schrieb Uncle Ron später in den sozialen Medien.
Sieben Monate zuvor musste der österreichische Pokerspieler Bernhard Binder beim WSOP Paradise auf den Bahamas am Finaltisch eines 25.000-Dollar-Turniers einen Sponsoren-Patch des Krypto-Pokeranbieters CoinPoker entfernen. Das Turnier gewann er anschließend trotzdem.
Zwischen diesen beiden Vorfällen liegt eine weitreichende, aber kaum beachtete Änderung bei der Organisation der wichtigsten Pokerturnierserie der Welt. Denn inzwischen entscheidet die WSOP darüber, welche Marken während der TV-Übertragung am Finaltisch überhaupt sichtbar sein dürfen.
Diese Entscheidung trifft der neue Eigentümer der WSOP nach eigenem „alleinigem und uneingeschränktem Ermessen“. Öffentliche Kriterien für die Genehmigung oder Ablehnung von Sponsoren-Patches gibt es nicht. Ebenso wenig veröffentlicht die WSOP entsprechende Entscheidungen oder begründet Ablehnungen – zumindest nach Aussagen der betroffenen Spieler.
Eine Auswertung der genehmigten und abgelehnten Sponsoren-Logos, basierend auf Aussagen von Spielern und Unternehmensvertretern sowie den dahinterstehenden wirtschaftlichen Interessen, zeigt ein auffälliges Muster: Regulatorisch lässt sich dieses nur schwer erklären, aus wettbewerblicher Sicht dagegen umso leichter.
Neuer Eigentümer, neue Regeln
Die World Series of Poker (WSOP), seit 1970 die bedeutendste Live-Pokerturnierserie der Welt, wechselte im Oktober 2024 den Besitzer. Caesars Entertainment verkaufte die Marke für 500 Millionen US-Dollar an die NSUS Group Inc., die Muttergesellschaft von GGPoker, dem weltweit größten Online-Pokeranbieter. Der Kaufpreis setzte sich aus 250 Millionen US-Dollar in bar sowie einem über fünf Jahre laufenden Schuldschein in Höhe von weiteren 250 Millionen US-Dollar zusammen, der durch die Markenrechte der WSOP abgesichert ist.
Caesars behielt jedoch einen 20-jährigen Vertrag zur Ausrichtung der WSOP in Las Vegas. Zudem betreibt das Unternehmen weiterhin die offiziellen WSOP-Online-Pokerangebote in den vier US-Bundesstaaten, in denen es lizenziert ist: Nevada, Michigan, New Jersey und Pennsylvania.
Die WSOP 2026, die vom 26. Mai bis 15. Juli im Horseshoe und Paris Las Vegas stattfand, war die erste komplette Turnierserie unter der Kontrolle der NSUS Group – und brachte ein grundlegend überarbeitetes Regelwerk mit sich.
Während unter Caesars im Jahr 2025 lediglich eine Einverständniserklärung unterschrieben werden musste und Sponsoren-Patches grundsätzlich erlaubt waren – mit einer pauschalen Ausnahme für Kryptowährungen und Cannabis-Marken –, gelten seit 2026 deutlich strengere Vorgaben.
Nach Regel 52 müssen Spieler, die an TV- oder Livestream-Tischen Logos, Sponsoren-Patches oder andere Werbebotschaften tragen möchten, diese mindestens 24 Stunden im Voraus per E-Mail an [email protected] zur Genehmigung einreichen.
Ob ein Logo zugelassen wird oder nicht, liegt laut Regelwerk „im alleinigen und uneingeschränkten Ermessen“ der Veranstalter. Nach welchen Kriterien entschieden wird, bleibt allerdings offen. Wer gegen die Regel verstößt, riskiert nicht nur eine Verwarnung: Im schlimmsten Fall drohen die sofortige Disqualifikation, der Verlust der Startgebühr sowie sämtlicher Preisgelder.
Bemerkenswert ist zudem, dass das frühere pauschale Verbot für Krypto-Unternehmen gestrichen wurde. An seine Stelle trat ein System, das vollständig auf Einzelfallentscheidungen der Veranstalter setzt.
WSOP Patch Wars: Wer zugelassen wurde – und wer nicht
Die WSOP hat bis heute keine offizielle Liste veröffentlicht, welche Sponsoren-Patches genehmigt oder abgelehnt wurden. Stattdessen kursiert seit Mitte Mai eine von der Poker-Community erstellte Übersicht. Sie basiert auf öffentlichen Aussagen betroffener Spieler und wurde vom Profi Shaun Deeb sowie Poker-Moderator Joey Ingram zusammengestellt.
Genehmigt wurden unter anderem:
- GGPoker, die Plattform des neuen WSOP-Eigentümers.
- BetMGM sowie Berichten zufolge Winamax – lizenzierte Anbieter, die nicht direkt mit dem internationalen Online-Geschäft von GGPoker konkurrieren.
- Americas Cardroom (ACR), ein in Costa Rica ansässiger Offshore-Pokeranbieter, der US-Spieler bedient, obwohl er in keinem US-Bundesstaat über eine Lizenz verfügt.
Abgelehnt wurden dagegen:
- CoinPoker, dessen Markenbotschafter Patrick Leonard die Ablehnung am 15. Mai öffentlich machte.
- Phenom Poker, ein Krypto-Pokeranbieter des ehemaligen Profis Matt Valeo. Dieser kritisierte die Entscheidung deutlich: „Sie lehnen einfach alle ab. Ein absoluter Witz … Eine Begründung haben wir nie erhalten.“
- ClubWPT Gold, das Sweepstakes-Pokerangebot der World Poker Tour (WPT). Zu den Markenbotschaftern gehören unter anderem Brad Owen, Doug Polk und Phil Ivey.
Ein auffälliges Muster
Die Entscheidungen scheinen nicht auf regulatorischen Vorgaben zu beruhen. So ist die rechtliche Situation von Americas Cardroom in den USA kaum besser als die von CoinPoker. Gleichzeitig verbietet Regel 54 der WSOP ausdrücklich Logos von Unternehmen, die „illegales Glücksspiel unterstützen oder fördern“. Dass ACR dennoch zugelassen wurde, deutet darauf hin, dass die Anwendung der Regel im Einzelfall entschieden wird.
Viel deutlicher zeichnet sich dagegen ein anderes Muster ab: der Wettbewerb.
- CoinPoker konkurriert direkt mit GGPoker und erreichte im April zeitweise mehr als 10.000 gleichzeitig aktive Spieler. Außerdem sponsert das Unternehmen Turniere der konkurrierenden High-Roller-Serie Triton Poker.
- Phenom Poker richtet sich an dieselbe Zielgruppe von Krypto-Pokerspielern wie GGPoker.
- ClubWPT Gold konkurriert in den USA sowohl mit ClubGG, der eigenen Poker-App der NSUS Group, als auch mit WSOP Online. Hinzu kommt, dass die Schwestermarke WPT Global als Titelsponsor der Triton-Serie auftritt.
Das Ergebnis: Alle bislang abgelehnten Marken stammen aus dem direkten Wettbewerbsumfeld von GGPoker und der NSUS Group.
ACR bringt Spieler zur WSOP – und erhält eine Freigabe
Americas Cardroom (ACR) nimmt im Vergleich zu anderen Anbietern eine besondere Rolle ein. Seit drei Jahren in Folge verkauft die Plattform Online-Satellites für die WSOP Paradise auf den Bahamas – obwohl ACR laut dem Fachportal Poker Industry PRO kein offizieller Partner der Turnierserie ist.
Auch in diesem Sommer bot ACR 12.500-Dollar-Pakete für das WSOP Main Event in Las Vegas an und brachte damit zahlende Teilnehmer zur von der NSUS Group betriebenen Turnierserie. Kurz vor Beginn der WSOP verpflichtete das Unternehmen zudem die bekannten Pokerprofis Alex Foxen, Chance Kornuth und Chris Hunichen gezielt als Markenbotschafter für das Event. Ihre Sponsoren-Patches wurden von der WSOP genehmigt.
ACR-CEO Phil Nagy reagierte auf die Kritik konkurrierender Anbieter mit spöttischen Worten: „Da fragt man sich schon … Seid ihr Pokerspieler oder Influencer? Ich sehe ständig Spieler ohne Patches. Uns hat das nie aufgehalten.“
Für eine Stellungnahme kontaktierten die Autoren Phil Nagy über X und LinkedIn. Bis zur Veröffentlichung des Berichts ging jedoch keine Antwort ein.
„Pokerseiten verlieren die Motivation zu investieren“
Der britische Pokerprofi Patrick Leonard, eines der bekanntesten Gesichter von CoinPoker, vermied es, der WSOP einen direkten Regelverstoß vorzuwerfen. „Die Regeln sind nun einmal die Regeln. Ich respektiere sie, auch wenn ich anderer Meinung bin.“
Gleichzeitig machte er deutlich, worin er das eigentliche Problem sieht:
Pokerseiten verlieren zunehmend die Motivation, in Spieler zu investieren, wenn die wichtigste Turnierserie der Welt externes Sponsoring einschränkt. Es sollte klar geregelt sein, welche Patches erlaubt sind und welche nicht, damit Spieler wissen, mit welchen Anbietern sie überhaupt zusammenarbeiten können.
Nur eine Woche nachdem sein CoinPoker-Patch abgelehnt worden war, erhielt Leonard die Genehmigung für einen Patch von bitB Cash – seinem eigenen Coaching- und Staking-Unternehmen, das keine Pokerplattform betreibt.
Für die Autoren der Recherche ist dieser Unterschied aufschlussreich: Offenbar richtet sich das Genehmigungsverfahren nicht gegen einzelne Spieler, sondern vor allem gegen konkurrierende Pokeranbieter.
Hohe Summen und wenig Transparenz
Die Autoren der Recherche fragten Patrick Leonard, ob ihm ein Grund für die Ablehnung seines CoinPoker-Patches genannt wurde, ob es möglicherweise einen kostenpflichtigen Weg zur Genehmigung gegeben habe und welchen Wert die Sichtbarkeit bei der WSOP für Sponsoren tatsächlich besitzt. Außerdem baten sie ihn, seine Aussage zu erläutern, wonach Pokerseiten zunehmend die Motivation verlieren würden, in Spieler zu investieren.
Bis zum Redaktionsschluss blieb eine Antwort aus.
Dieselben Fragen gingen auch an Phenom Poker – ebenfalls ohne Reaktion. Der Eindruck entsteht, dass derzeit kaum jemand öffentlich Stellung beziehen möchte. Möglicherweise hoffen einige Spieler und Unternehmen weiterhin darauf, künftig doch noch eine Genehmigung für Sponsoren-Patches bei der WSOP zu erhalten.
Sponsoren-Patches sind Millionen wert
Dabei geht es um erhebliche Summen. Sponsoren-Patches haben bei der WSOP seit Jahren einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert. Bereits 2016 berichtete Forbes, dass Spieler für das Tragen eines Sponsoren-Logos am Finaltisch des Main Events rund 100.000 US-Dollar erhalten konnten. Während des Poker-Booms vor 2011 sollen einzelne Sponsoring-Deals am Finaltisch sogar bis zu einer Million US-Dollar wert gewesen sein.
Begünstigt wurde dies damals durch das Format der „November Nine“, das vom heutigen WSOP-Executive Ty Stewart eingeführt wurde. Zwischen dem Ende des Turniers und dem erst Monate später ausgetragenen Finaltisch blieb den Finalisten genügend Zeit, Sponsorenverträge abzuschließen und Medienauftritte wahrzunehmen.
Neue TV-Partnerschaft erhöht den Wert der Werbeflächen
In diesem Jahr ist die Bedeutung der Sponsoren-Patches erneut gestiegen. Im März schloss die WSOP eine mehrjährige Vereinbarung mit ESPN, wodurch das Main Event ins US-Fernsehen zurückkehrte. Rund 100 Stunden Live- und Highlight-Berichterstattung, produziert von Omaha Productions, werden in mehr als 130 Ländern ausgestrahlt. Der Finaltisch läuft vom 3. bis 5. August live auf ESPN.
Auch am Finaltisch gelten strenge Patch-Regeln
Die neun Finalisten dürfen ihre Sponsoren nicht uneingeschränkt präsentieren. Nach Regel 54 dürfen an einem TV- oder Livestream-Tisch höchstens zwei Spieler gleichzeitig Logos desselben zuvor genehmigten Unternehmens tragen.
Qualifizieren sich mehr als zwei Spieler mit demselben Sponsor und können sie sich nicht einigen, entscheidet laut Regelwerk ein High-Card-Losverfahren der WSOP darüber, wer den Sponsoren-Patch tragen darf.
Finalisten des WSOP Main Events 2026:
- Platz: Lauri Saaskilahti (Finland) — 37.5M Chips (25 BB — Big Blind)
- Platz: Michael Gagliano (United States) — 46.5M Chips (31 BB)
- Platz: Mario Boos (France) — 44.0M Chips (29 BB)
- Platz: Greg Mueller (Canada) — 48.5M Chips (32 BB)
- Platz: Jamie Shaevel (United States) — 56,000,000 (37 BB)
- Platz: Han Feng (United States) — 25,000,000 (17 BB)
- Platz: Rami Hammoud (Canada) — 79,000,000 (53 BB)
- Platz: Evagoras Evagorou (Cyprus) — 22,500,000 (15 BB)
- Platz: Lucas Jumalon (United States) — 194,000,000 (129 BB)
Der Skandal, der der WSOP Argumente liefert
Ganz unbegründet ist das Vorgehen der WSOP allerdings nicht. Zumindest eine der drei Ablehnungen lässt sich aus Sicht der Turnierveranstalter nachvollziehbar erklären.
Während der WSOP 2025 hatte ClubWPT Gold einen Bonus von 1 Million US-Dollar für jeden seiner Qualifikanten ausgelobt, der das Millionaire Maker Tournament gewinnen würde.
Als James Carroll und Jesse Yaginuma das Heads-up erreichten, soll dieser Bonus laut WSOP zu einem manipulierten Spielverlauf geführt haben. Nach Auffassung der Turnierleitung gab Carroll bewusst Chips ab, indem er mehrfach absichtlich foldete, um Yaginuma, den ClubWPT-Gold-Qualifikanten, den Turniersieg zu ermöglichen.
Die Konsequenzen waren drastisch: Die WSOP verweigerte die Vergabe des Bracelets, teilte das Preisgeld zwischen beiden Spielern auf und schloss Carroll sowie Yaginuma für den Rest der Turnierserie aus. ClubWPT Gold zahlte den Bonus von einer Million US-Dollar dennoch aus.
Neue Regel als direkte Folge
Als Reaktion auf den Vorfall führte die WSOP im Regelwerk 2026 die neue Regel 40(e) ein. Sie erlaubt es den Veranstaltern, Preisgelder zurückzufordern, wenn Spieler Bonuszahlungen oder Prämien von Dritten erhalten, die unmittelbar an ihr Abschneiden bei der WSOP geknüpft sind.
Aus Sicht der WSOP ist die Begründung nachvollziehbar: Eine Werbeaktion eines konkurrierenden Unternehmens habe die Integrität eines ihrer wichtigsten Turniere gefährdet. Vor diesem Hintergrund erscheint es verständlich, die Sichtbarkeit dieser Marke einzuschränken.
Doch viele Fragen bleiben offen
Allerdings erklärt dieses Argument nur die Ablehnung von ClubWPT Gold. Warum CoinPoker und Phenom Poker ebenfalls keine Genehmigung erhielten, Americas Cardroom (ACR) hingegen schon, bleibt unbeantwortet.
Dabei ist auch ACR nicht frei von Kontroversen. Im Dezember 2024 verklagte eine Talentagentur den Pokeranbieter wegen eines angeblich größtenteils unbezahlten Vertrags im Wert von 29,7 Millionen US-Dollar. Die Agentur wirft ACR vor, vereinbarte Zahlungen für Influencer nicht geleistet zu haben. ACR weist die Vorwürfe zurück und erklärt, das Geld an eine zentrale Agentur überwiesen zu haben, die es anschließend nicht an die Streamer weitergeleitet habe.
Auch eine häufig genannte Erklärung überzeugt die Autoren der Recherche nicht: Demnach habe die Rückkehr der WSOP zu ESPN eine „saubere“ TV-Übertragung ohne Krypto-Marken erforderlich gemacht.
Tatsächlich spricht das Regelwerk jedoch eine andere Sprache. Während 2025 sämtliche Kryptowährungs-Logos grundsätzlich verboten waren, wurde dieses pauschale Verbot 2026 gestrichen und durch ein Genehmigungsverfahren im Einzelfall ersetzt.
Hinzu kommt, dass die WSOP am 10. Juni, mitten während der Turnierserie, die Solana Foundation als ersten Hauptsponsor der Veranstaltung seit rund 15 Jahren präsentierte. Gleichzeitig wurden Einzahlungen in Solana ohne zusätzliche Gebühren ermöglicht.
Das Fazit der Autoren fällt entsprechend kritisch aus: Kryptowährungen sind bei der WSOP willkommen – konkurrierende Krypto-Pokeranbieter offenbar nicht.
Eine Stellungnahme von WSOP, NSUS Group oder GGPoker blieb aus. Auf die am 17. Juli übermittelten Fragen reagierte keines der Unternehmen bis zur Veröffentlichung des Berichts.
Wer steckt hinter der World Series of Poker?
Hinter der ausbleibenden Stellungnahme der WSOP verbirgt sich eine grundlegendere Frage, die in der Pokerbranche bis heute unbeantwortet ist: Wer ist letztlich Eigentümer der NSUS Group?
Öffentlich zugängliche Unternehmensdaten liefern darauf nur wenige Hinweise. Die NSUS Group Inc. wurde am 30. August 2018 in Kanada gegründet und hat ihren Sitz in North York (Toronto). Als CEO wird in offiziellen Mitteilungen Michael Kim genannt.
Mehr Informationen bietet die britische Tochtergesellschaft NSUS Group (UK) Limited. Laut den Einträgen im britischen Unternehmensregister (Companies House) wird sie von der Nsus Group Holdings Limited kontrolliert, die mehr als 75 Prozent der Anteile hält. Dieses Unternehmen ist unter der Nummer 1914785 auf den Britischen Jungferninseln (British Virgin Islands, BVI) registriert – einem Finanzstandort, an dem die Eigentümerregister nicht öffentlich zugänglich sind. An diesem Punkt endet die öffentlich nachvollziehbare Eigentümerkette.
Die wenigen verfügbaren Informationen stammen überwiegend aus geleakten Dokumenten und Recherchen südkoreanischer Journalisten.
So berichtete das gemeinnützige Investigativmedium Newstapa im Jahr 2018, dass die Unternehmensgruppe ursprünglich als NSUS Lab im Februar 2014 in Seoul gegründet wurde und zunächst Online-Spielautomaten entwickelte. Die Recherche entstand im Zusammenhang mit den Panama Papers in Kooperation mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ).
Laut den veröffentlichten Unterlagen tauchte Mitgründer Kim Man-soo in den geleakten Dokumenten als Anteilseigner und Direktor der Holdinggesellschaft auf den Britischen Jungferninseln auf. NSUS erklärte gegenüber Newstapa, die Unternehmensstruktur sei rechtmäßig, auf Empfehlung britischer Anwälte entstanden und entspreche der üblichen Praxis in der Branche.
Ein Mansoo Kim, geboren 1981 und südkoreanischer Staatsbürger, ist weiterhin als Direktor der britischen Gesellschaft eingetragen. In den kanadischen Unternehmensunterlagen werden außerdem Kyouwon Hwang und Andy Asihwardji als Direktoren aufgeführt.
Zwischen 2016 und 2018 war zudem Hilliard Alan Ehrlich als weiterer Direktor der britischen Tochtergesellschaft registriert. Der israelische Staatsbürger mit Wohnsitz auf den Philippinen war zuvor mit dem asiatischen Sportwettenanbieter W88 verbunden.
Alle Spuren führen nach Südkorea
Das südkoreanische Magazin SisaIN berichtete im Jahr 2022, dass der Sohn des damaligen Außenministerkandidaten Park Jin für NSUS in Toronto gearbeitet habe. Zudem sei er in den kanadischen Unternehmensunterlagen zeitweise als Mitgründer und erster Direktor aufgeführt gewesen. NSUS erklärte dazu, es habe sich lediglich um einen Verwaltungsfehler gehandelt, der innerhalb weniger Monate korrigiert worden sei.
Für Schlagzeilen sorgte auch die britische Tochtergesellschaft NSUS Limited. Sie wurde 2022 von der UK Gambling Commission (UKGC) mit einer Geldstrafe von 672.000 Pfund belegt. Grund waren Verstöße gegen Vorschriften zum Spielerschutz sowie zur Bekämpfung von Geldwäsche.
Die Autoren der Recherche betonen jedoch ausdrücklich, dass diese Informationen kein Beleg für ein Fehlverhalten bei den Entscheidungen über Sponsoren-Patches sind. Sie werfen jedoch eine grundsätzliche Frage auf:
Die bekannteste Marke im Poker entscheidet nach „alleinigem und uneingeschränktem Ermessen“, welche Sponsoren der Konkurrenz bei TV-Übertragungen – unter anderem auf ESPN – sichtbar sein dürfen. Gleichzeitig endet die öffentlich nachvollziehbare Eigentümerstruktur des Unternehmens bei einer Holding auf den Britischen Jungferninseln, deren wirtschaftlich Berechtigte bis heute nicht offengelegt wurden.
Hinzu kommt, dass das WSOP Online-Angebot in den vier US-Bundesstaaten, in denen es verfügbar ist, unter den Glücksspiellizenzen von Caesars Entertainment betrieben wird – nicht unter Lizenzen der NSUS Group. Auch GGPoker selbst verfügt derzeit über keine US-Glücksspiellizenz auf Bundesstaatsebene.
Gambling Insider fragte die WSOP daher ausdrücklich, wer letztlich hinter der NSUS Group Inc. steht. Eine Antwort auf diese Frage lag bis zur Veröffentlichung der Recherche jedoch nicht vor.
Die abschreckende Wirkung von Regel 52
Während der WSOP 2026 mit insgesamt 97 Turnieren wurde kein einziger Spieler wegen eines Verstoßes gegen Regel 52 disqualifiziert. Öffentlich bekannt wurden lediglich Aufforderungen, Sponsoren-Patches abzudecken – wie im Fall des Freizeitspielers „Uncle Ron“ – sowie die bereits vor Turnierbeginn ausgesprochenen Ablehnungen bestimmter Logos.
Nach Ansicht der Autoren liegt die eigentliche Wirkung der Regel jedoch nicht in ihrer Anwendung, sondern in ihrer abschreckenden Wirkung. Schließlich dürfte kaum ein Sponsor bereit sein, einen Spieler dafür zu bezahlen, einen Patch zu tragen, wenn dadurch im schlimmsten Fall das komplette Preisgeld des Main Events verloren gehen könnte.
Vergleiche mit der UFC
Innerhalb der Pokerszene wird deshalb häufig ein Vergleich mit der Ultimate Fighting Championship (UFC) gezogen. Dort führte ein exklusiver Ausrüstungsvertrag im Jahr 2015 dazu, dass Kämpfer ihre individuellen Sponsorenverträge weitgehend verloren. Der ehemalige UFC-Kämpfer Brendan Schaub schätzte damals, rund 90 Prozent seiner Sponsoreneinnahmen eingebüßt zu haben.
Im Februar dieses Jahres wurde zudem ein Vergleich über 375 Millionen US-Dollar in einer Kartellklage gegen die UFC endgültig genehmigt. Mehrere Kämpfer hatten dem Veranstalter vorgeworfen, ihre Verdienstmöglichkeiten unzulässig eingeschränkt zu haben.
Juristisch zulässig – aber problematisch?
Ein vergleichbares Gerichtsverfahren gibt es gegen die WSOP bislang nicht. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass private Turnierveranstalter grundsätzlich selbst festlegen dürfen, welche Kleidung oder Sponsoren erlaubt sind.
Der emeritierte Vertragsrechtsprofessor Scott J. Burnham von der Gonzaga University äußerte jedoch in Card Player Kritik an der Ausgestaltung der Regel. Sein Einwand: So allgemein formulierte Regeln, die nach freiem Ermessen angewendet werden, schaffen Raum für willkürliche Entscheidungen.
Am Ende entscheidet allein die WSOP
Alle 9.208 Spieler, die sich in diesem Jahr für das WSOP Main Event angemeldet haben – das viertgrößte Teilnehmerfeld der Turniergeschichte –, akzeptierten diese Regeln mit ihrer Anmeldung.
Heute nehmen die neun Finalisten am TV-Finaltisch auf ESPN Platz und kämpfen um den Titel sowie 10 Millionen US-Dollar Preisgeld. Auf ihrer Kleidung dürfen sie höchstens zwei zuvor genehmigte Sponsorenlogos tragen. Welche Marken weltweit im Fernsehen zu sehen sind, entscheidet letztlich jedoch allein die WSOP.
Gambling Insider Analyse: Genehmigte & abgelehnte WSOP-Sponsoren-Patches
| Marke | Status | In den USA reguliert? | Beziehung zu NSUS/GGPoker | Quelle |
| GGPoker | Genehmigt | ❌ Nein (keine US-Glücksspiellizenz) | Eigentümer der WSOP | Deeb Liste |
| ACR | Genehmigt | ❌ Nein (Offshore-Anbieter aus Costa Rica) | Bringt seit drei Jahren Spieler zur WSOP Paradise; verkauft Main-Event-Pakete für Las Vegas; verpflichtete Foxen, Kornuth und Hunichen für die WSOP | Deeb; Patrick Leonard („ACR wurde bereits genehmigt.“) |
| BetMGM | Genehmigt | ✅ Ja | Kein direkter Konkurrent im Online-Poker | GipsyTeam |
| Winamax | Genehmigt | EU-reguliert | Keine direkte Konkurrenz im US-Markt; begrenzte Überschneidungen mit GGPoker | Kanit via GipsyTeam |
| bitB Cash (Leonard’s coaching co.) | Genehmigt 21. Mai | K/A | Coaching- und Staking-Unternehmen, kein Pokeranbieter | Leonard |
| CoinPoker | Abgelehnt | Nein | Direkter Konkurrent von GGPoker; Sponsor der Triton Poker Series | Leonard |
| Phenom Poker | Abgelehnt | ❌ Nein (Anjouan-Lizenz) | Krypto-Poker-Konkurrent von GGPoker | GipsyTeam |
| ClubWPT Gold | Abgelehnt | ⚠️ Nein (Sweepstakes-Modell) | Konkurrenz zu ClubGG und WSOP Online; WPT Global ist Titelsponsor der Triton Series | Deeb; poker.org |
| Hinweis: Die Genehmigung von Winamax wurde bislang nicht offiziell von der WSOP bestätigt. | ||||
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