Illegale Casino-Werbung kapert offizielle Website von Jakutsk
Wer die offizielle Website der russischen Stadt Jakutsk aufruft, landet seit Kurzem nicht beim Stadtportal - sondern bei einer Casino-Seite. Online-Glücksspiel-Promoter haben die Domain gekapert und bewerben dort unter dem Namen des bekannten Buchmachers Melbet eine Reihe von russischsprachigen Casino-Plattformen, die allesamt illegal sind.
Domain weg, Casino drin
Die Stadt selbst gibt zu, die Kontrolle über die betroffene Domain verloren zu haben. „Die Domain wurde außer Betrieb genommen“, erklärte ein Stadtssprecher – offenbar ohne dass man sich ausreichend um die Nachnutzung gekümmert hat. Ein Redirect auf das neue offizielle Stadtportal funktioniert laut Berichten russischer Medien für viele Nutzer nicht, die Seite ist schlicht nicht erreichbar. Auf der gekaperten Domain wirbt die Fake-Seite mit Promocodes, Gratis-Guthaben und Links zu Casino-Angeboten, die Spieler aus Russland, der Ukraine und Kasachstan in mehreren Währungen – darunter Rubel, Euro, Dollar sowie Krypto-Token wie Bitcoin und Ethereum – ansprechen. Sogar eine angebliche Betriebsgenehmigung der russischen Medienbehörde wird präsentiert.
Melbet distanziert sich
Der echte Melbet-Konzern, ein Moskauer Buchmacher mit seit 2012 gültiger Lizenz, hat sich klar vom Vorfall distanziert: Man habe keinerlei Verbindung zu dem Casino-Auftritt, der den eigenen Markennamen missbrauche, und biete ausschließlich Sportwetten an. Online-Casino-Betrieb ist in Russland generell verboten. Der Fall aus Jakutsk – der weltweit kältesten Stadt, gelegen 450 Kilometer südlich des Polarkreises – ist dabei kein Einzelfall. Wenige Hundert Kilometer entfernt verurteilte ein Gericht in Sibirien zuletzt neun Betreiber einer illegalen Spielhölle zu Bewährungsstrafen zwischen zwei und drei Jahren sowie Geldstrafen von je 100.000 Rubel. Die Gruppe hatte zwischen September 2020 und Februar 2021 ein Gewerbegebäude in der Region Irkutsk als Casino betrieben. Sibirien beherbergt eine der vier offiziellen Glücksspielzonen Russlands – und ist gleichzeitig Schauplatz einer laufenden Behördenoffensive: Allein 2025 wurden dort 34 illegale Casinos geschlossen.
Der Yakutsk-Vorfall zeigt, wie kreativ illegale Casino-Betreiber bei der Akquise von Traffic vorgehen – und wie leichtfertig öffentliche Stellen mit auslaufenden Domains umgehen.
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