Görlitzer Unternehmer Menzel vor Gericht: Teures Jahr
In Stefan Menzels Schuhen möchte man dieses Jahr vermutlich nicht stecken. Nachdem letztes Jahr im Juni eine koordinierte Großrazzia für alle seine Spielhallen tödlich ausging, rollen jetzt die Anklagen auf den Tisch. Die Staatsanwaltschaft hat erste Klagen beim Amtsgericht Görlitz eingereicht - und das Netz zieht sich enger zusammen.
Die Razzia und ihre Folgen
Am 11. Juni 2025 durchsuchten über 100 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Landesdirektion gleichzeitig elf Objekte in Görlitz – darunter die bekannten Flamingo-Casinos und die Bikini-Bar in der Bahnhofstraße. Dabei wurden sechsstellige Bargeldbeträge sichergestellt, versteckt in Automaten und Schränken, sowie rund 400 Kilogramm Münzgeld und ein Mercedes G-Klasse. Menzel soll versucht haben, die Durchsuchungen zu behindern; noch am gleichen Abend wurde er festgenommen. Ein Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.
Der zentrale Vorwurf: Menzels Casino-Betrieb lief zuletzt über die M-Media GmbH – eine Gesellschaft, die keine gültige glücksspielrechtliche Erlaubnis besaß. Anfang 2025 hatte Menzel drei seiner Firmen verkauft und den Betrieb unter dieser neuen Gesellschaft gebündelt. Die Landesdirektion Sachsen bestätigte nach der Razzia, dass die erforderliche Konzession fehlte. Neben dem Vorwurf des illegalen Glücksspiels ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen Bankrott, Insolvenzverschleppung und Abgabenhinterziehung.
Steuernachforderungen und Lohnklagen
Eine erste Anklage richtet sich konkret gegen die fünf Görlitzer Casinos: Im Zeitraum Januar bis Mai 2025 soll eine zu niedrige Spielapparatesteuer gezahlt worden sein. Im Raum steht ein niedriger sechsstelliger Betrag. Menzel hatte die Geschäftsführung der M-Media GmbH zum April 2025 an eine Frau aus dem polnischen Osiek übertragen – Teile der Vorwürfe richten sich deshalb auch gegen sie.
Parallel kämpfen ehemalige Mitarbeiterinnen seiner Flamingo-Casinos vor dem Arbeitsgericht Görlitz um ausstehende Löhne. Der für Juli 2025 angesetzte erste Verhandlungstermin gegen die M-Media GmbH wurde kurzfristig verschoben – für die Betroffenen eine weitere Enttäuschung. Menzels Anwalt äußert sich aus verfahrenstechnischen Gründen derzeit nicht öffentlich.
Menzel war in Görlitz eine stadtbekannte Figur: Neben den Casinos betrieb er das Fahrgastschiff EMS Berzdorf, Stadtrundfahrten und das Bikini-Café. Von einst neun Spielotheken hatte er sich 2023 bereits von vier getrennt, die verbleibenden fünf wollte er ebenfalls verkaufen – dann kam die Razzia. Jetzt stehen seine Gewerbeobjekte leer, und die juristische Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.
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