MLB-Wettskandal: Clase-Prozess wohl erst im Oktober
Der wohl spektakulärste Wettskandal im amerikanischen Baseball seit Jahren nimmt weiter an Fahrt auf - juristisch jedoch im Schneckentempo. Der Prozess gegen die Cleveland-Guardians-Pitcher Emmanuel Clase und Luis Ortiz, ursprünglich für den 4. Mai 2026 angesetzt, wird voraussichtlich in den Oktober verschoben. Richterin Kiyo A. Matsumoto ließ den Mai-Termin zwar formell bestehen, kündigte aber an, die Verschiebung in den kommenden Wochen offiziell zu bestätigen.
Codewörter, manipulierte Würfe und 400.000 Dollar
Die Vorwürfe haben es in sich: Beide Pitcher sollen Glücksspielern in der Dominikanischen Republik dabei geholfen haben, über 400.000 US-Dollar durch illegale Prop-Wetten zu gewinnen – indem sie Wurf-Geschwindigkeit und -Platzierung gezielt manipulierten. Laut überarbeiteter Anklageschrift, auf die beide Spieler mit einem Nicht-schuldig-Plädoyer reagierten, sollen Clase und Ortiz für ihre Beteiligung Tausende Dollar kassiert haben. Die Kommunikation lief über Codewörter: „Rooster“ und „Chicken“ dienten offenbar als Bezeichnungen für manipulierte Würfe. Vor einem Spiel gegen die Cincinnati Reds im Mai soll Clase per Nachricht angewiesen worden sein, den ersten Batter außerhalb der Strike Zone anzuwerfen – er bestätigte das laut Anklageschrift, kam in jenem Spiel aber nicht zum Einsatz.
Die Bundesankläger werfen beiden Spielern Telekommunikationsbetrug, Verschwörung zur Beeinflussung von Sportereignissen durch Bestechung und Geldwäsche vor. Im Falle einer Verurteilung drohen jeweils bis zu 65 Jahre Haft.
All-Star unter Druck – und ein Team, das trotzdem lieferte
Clase ist kein unbeschriebenes Blatt: Der dominikanische Reliefpitcher ist mehrfacher All-Star und hatte 2022 einen Fünfjahresvertrag über 20 Millionen US-Dollar mit den Guardians unterzeichnet. Laut Anklage soll er seine Würfe in insgesamt 48 MLB-Spielen seit Mai 2023 manipuliert haben – eine der längsten Manipulationsserien in der jüngeren Sportgeschichte der USA. Beide Spieler wurden im vergangenen Sommer von der MLB ohne disziplinarische Konsequenzen auf bezahlten Urlaub gesetzt, als der Skandal aufflog. Die Guardians erreichten dennoch die Playoffs und schieden in der Wildcard-Runde gegen die Detroit Tigers aus. Das Team startete letzte Woche ins Frühjahrestraining in Arizona, die neue Saison beginnt am 26. März in Seattle.
Das Verfahren gilt als wichtiger Lackmustest für die Integrität des US-Profisports in der Ära der legalisierten Sportwetten – der Ausgang dürfte weit über den Baseball hinaus Signalwirkung haben.
Gambling Insider liefert die neuesten Branchennachrichten, ausführliche Features und Bewertungen von Anbietern, denen Sie vertrauen können. Unser Team kombiniert strenge redaktionelle Standards mit jahrzehntelanger Fachkompetenz, um Genauigkeit und Fairness zu gewährleisten. Wir sind bestrebt, klare, unparteiische und zuverlässige Berichterstattung über den globalen Glücksspielsek