Premier League: 80-Millionen-Loch durch Verbot von Glücksspiel-Sponsoring erwartet
Eine Sponsoring-Lücke von 80 Millionen Pfund (ca. 95 Millionen Euro) zeichnet sich ab, da die Premier-League-Klubs Schwierigkeiten haben, ihre Trikot-Deals mit Glücksspielanbietern rechtzeitig zur nächsten Saison zu ersetzen.
Das bevorstehende Verbot von Glücksspiel-Sponsoren auf den Trikotfronten der Premier League (EPL) könnte dazu führen, dass mehrere Teams die Saison 2026/27 ohne Hauptsponsor beginnen und erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.
Laut einem Bericht des Guardian haben bis zu neun Vereine noch keine neuen Verträge für ihre Trikotbrust abgeschlossen – eine ihrer wichtigsten kommerziellen Einnahmequellen. Insgesamt haben sogar zwölf Teams bislang keine festen Verträge für die kommende Spielzeit unterzeichnet.
Marktumbruch durch Rückzug der Wettanbieter
Das freiwillige Verbot, das nach Absprache mit der britischen Regierung beschlossen wurde, eliminiert eine der lukrativsten Sponsoring-Quellen der Liga. Glücksspielbetreiber, insbesondere solche mit Fokus auf asiatische Märkte, zahlten in der Vergangenheit Spitzenpreise für die weltweite Sichtbarkeit durch die Premier League.
Sean Connell, Herausgeber von The Sponsor, erklärte gegenüber Gambling Insider, dass Klubs mit Wett-Sponsoren „im Durchschnitt 38 % ihres Werbewertes auf der Trikotfront verlieren“, wenn sie gezwungen sind, diese durch Marken aus anderen Branchen zu ersetzen.
Massive Wertverluste bei Neuverträgen
Ein namentlich nicht genannter kommerzieller Direktor eines Vereins bestätigte gegenüber The Sponsor, dass das beste Angebot einer markenfremden Branche weniger als die Hälfte des aktuellen Deals betrug. Der Rückzug der Wettanbieter hat nicht nur zu einem drastischen Preisverfall geführt, sondern auch den Wettbewerb unter den Vereinen um den kleineren Pool an verfügbaren Sponsoren verschärft.
Quellen des Guardian bestätigen diese Entwicklung. Ein hochrangiger Vereinsvertreter gab an, dass „fast jeder“ Geld verliere und fügte hinzu:
Außerhalb der ‚Big Six‘ sind die Angebote für Trikotsponsoring von einer Spanne zwischen 8 und 12 Millionen Pfund pro Saison um etwa 50 % eingebrochen.
Ein weiterer Manager schätzt den kollektiven Umsatzverlust der Vereine für die nächste Saison auf insgesamt 80 Millionen Pfund.
Neue Verträge mit deutlichen Preisabschlägen
Die ersten neu abgeschlossenen Sponsorenverträge bestätigen einen klaren Abwärtstrend bei den Marktwerten.
Bournemouth hat bereits bekannt gegeben, dass der bisherige Stadionsponsor Vitality nun auf die Trikotbrust wechselt – allerdings zu geringeren Konditionen. Laut dem Guardian steht zudem Brentford kurz vor einem Abschluss mit Indeed, dem aktuellen Partner für die Trainingsbekleidung.
Dem Vernehmen nach haben beide Klubs Verträge im Bereich von 4 bis 5 Millionen Pfund pro Jahr akzeptiert. Dies liegt deutlich unter den Summen, die zuvor durch Partnerschaften mit Glücksspielmarken erzielt wurden.
CMC Markets: Finanzsektor als möglicher Rettungsanker
Während sich die Glücksspielanbieter zurückziehen, könnte eine andere Branche die Lücke füllen: Finanzdienstleister.
Jüngsten Berichten zufolge befinden sich Everton und Fulham in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem Finanzdienstleister CMC Markets über Trikotsponsoring-Verträge. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ersatz-Deals sollen diese Vereinbarungen – die angeblich bis zu 50 Millionen Pfund (ca. 67 Millionen Dollar) über drei Jahre wert sind – sogar leichte Steigerungen gegenüber den aktuellen Verträgen bieten.
Mehrere Premier-League-Klubs verfügen bereits über Partnerschaften in diesem Sektor. Die langfristige Zusammenarbeit von Brighton mit American Express, Tottenhams Vertrag mit dem Versicherer AIA und Liverpools Partnerschaft mit Standard Chartered verdeutlichen, wie Banken, Versicherungen und Handelsplattformen um globale Markenpräsenz konkurrieren können
Die Kluft zu den „Big Six“ vergrößert sich
Die Auswirkungen des Verbots sind ungleich verteilt. Die Klubs der sogenannten „Big Six“ bleiben dank langfristiger, hochdotierter Sponsoringverträge weitgehend verschont.
- Arsenal, Liverpool, Manchester City und Manchester United halten an Verträgen im Wert von jährlich 50 bis 60 Millionen Pfund fest.
- Tottenhams 40-Millionen-Pfund-Deal mit AIA läuft noch bis über die nächste Saison hinaus.
Chelsea bildet die einzige Ausnahme: Der Klub startete in den letzten drei Spielzeiten jeweils ohne Trikotsponsor und schloss erst nachträglich kurzfristige Verträge ab. Die aktuelle Vereinbarung mit der KI-Firma IFS läuft zum Ende dieser Saison aus.
Im Gegensatz dazu sind Klubs aus dem Mittelfeld und dem unteren Tabellendrittel zunehmend abhängig von Glücksspiel-Sponsoren, von denen einige zu künstlich aufgeblähten Preisen unterzeichnet wurden. Laut Experten Sean Connell liegt beispielsweise der gemeldete Deal von Bournemouth mit BJ88 (jährlich 6,1 Mio. £) satte 49 % über dem fairen Marktwert.
Schlupflöcher und Ausweichmärkte entstehen
Während das Sponsoring auf der Trikotfront schrittweise eingestellt wird, erschließen die Vereine alternative Einnahmequellen.
Berichten zufolge verlagern einige Klubs, darunter Everton und West Ham, ihre Partnerschaften mit Glücksspielanbietern auf die Trikotärmel, da dies weiterhin zulässig ist. Andere haben ihre Kooperationen auf Bandenwerbung am Spielfeldrand oder andere erlaubte Kanäle umgestellt. Erst kürzlich schloss Newcastle einen solchen Vertrag mit 8Xbet ab.
Es wird erwartet, dass weitere Vereine dem Beispiel von Bournemouth und Brentford folgen und zweitrangige Partner oder Sponsoren der Trainingsbekleidung zu Hauptsponsoren aufwerten.
Zudem gibt es erste Anzeichen dafür, dass die verdrängten Glücksspielbetreiber ihre Budgets in die English Football League (EFL) umleiten könnten. Dort ist Trikotsponsoring im Rahmen einer bestehenden Vereinbarung mit Sky Bet noch bis mindestens 2029 erlau
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