Österreichs Glücksspielreform stößt auf Kritik aus Ländern und Branche
Die geplante Reform des österreichischen Glücksspielgesetzes stößt kurz vor Abschluss der Begutachtungsphase auf zunehmende Kritik. Vertreter mehrerer Bundesländer sowie Branchenvertreter warnen, dass einzelne Maßnahmen den legalen Glücksspielmarkt schwächen, den Schwarzmarkt begünstigen und zu Einnahmeverlusten für die Länder führen könnten.
Länder warnen vor Auswirkungen auf das „kleine Glücksspiel“
Ein zentraler Streitpunkt betrifft die Regulierung der sogenannten Landesausspielungen, besser bekannt als „kleines Glücksspiel“ mit Geldspielautomaten. Nach dem aktuellen Gesetzesentwurf sollen sowohl Einsatz- als auch Gewinnlimits deutlich reduziert werden. Der maximale Einsatz pro Spiel würde von derzeit 10 € auf lediglich 2 € sinken, während der Höchstgewinn von 10.000 € auf nur noch 2.000 € begrenzt werden soll.
Mehrere Landespolitiker äußerten Bedenken, dass diese Verschärfungen lizenzierte Betreiber wirtschaftlich unter Druck setzen und Spieler verstärkt auf illegale Angebote ausweichen könnten. Gleichzeitig verweisen die Bundesländer auf die finanziellen Auswirkungen der Reform. Die Zuschlagsabgabe auf das kleine Glücksspiel bringt den Ländern derzeit rund 35 Mio. € jährlich ein, wobei Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark den größten Anteil erhalten.
Auch Salzburg, das die Einführung eines regulierten Marktes für Geldspielautomaten vorbereitet, sieht die geplanten Änderungen kritisch. Dort wird befürchtet, dass strengere Vorgaben die wirtschaftliche Grundlage des neuen Regulierungsmodells bereits vor dessen Umsetzung beeinträchtigen könnten.
Branche fordert Anpassungen am Gesetzesentwurf
Neben den Bundesländern hat sich auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) kritisch zum Entwurf geäußert. Branchensprecherin Monika Racek begrüßte die geplante Online-Glückspiel-Marktöffnung zwar grundsätzlich, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf in mehreren Punkten.
Mit der Reform soll das bisherige Online-Monopol der Casinos Austria beendet und ab Oktober 2027 ein Mehrlizenzsystem eingeführt werden. Racek kritisiert insbesondere den vorgesehenen Zeitplan. Nach ihrer Auffassung würden dadurch Anbieter, die bislang ohne österreichische Lizenz tätig waren, zeitgleich mit Unternehmen in den Markt eintreten können, die sich bisher an die geltenden Regelungen gehalten haben.
Darüber hinaus spricht sich die Branche für eine Überarbeitung der vorgesehenen Einzahlungslimits aus. Der Entwurf sieht ein monatliches Limit von 1.680 € vor. Nach Ansicht der WKO könnten pauschale Limits dazu führen, dass Spieler nach Erreichen der Grenze auf unregulierte Angebote auf dem Schwarzmarkt ausweichen. Stattdessen fordert die Branche stärker risikobasierte Maßnahmen im Bereich des Spielerschutzes.
Reform befindet sich in der Schlussphase
Die Glücksspielreform befindet sich derzeit in der finalen Phase des Gesetzgebungsverfahrens. Zu den wichtigsten Änderungen zählen die Liberalisierung des Online-Glücksspielmarktes, neue Vorgaben für den terrestrischen Automatensektor sowie verschärfte Maßnahmen im Bereich des Spielerschutzes.
Während Befürworter die Reform als Modernisierung des österreichischen Glücksspielrechts betrachten, fordern Länder und Branchenvertreter Nachbesserungen, um wirtschaftliche Auswirkungen auf legale Anbieter zu begrenzen und eine Abwanderung von Spielern in den Schwarzmarkt zu vermeiden.
Quellen
- Österreichisches Bundeskanzleramt – Begutachtungsentwurf zum Glücksspielgesetz (Glücksspielgesetz-Novelle 2025/2026)
- Österreichisches Parlament – Begutachtungsverfahren zur Glücksspielgesetz-Novelle
- Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) – Fachverband Freizeit- und Sportbetriebe
- Bundesministerium für Finanzen (BMF) – Glücksspiel in Österreich
- Casinos Austria AG – Unternehmensinformationen
- Krone – „Länder bangen um ihre Glücksspiel-Millionen“
- Krone – „Glücksspiel-Reform auf den letzten Metern“
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