OCCC weitet Vorgehen gegen Sportkontrakte in Ohio aus
Die Ohio Casino Control Commission (OCCC) verlangt von zehn Prognosemarkt-Betreibern und Brokern, Sportereignis-Kontrakte im Bundesstaat nicht länger anzubieten oder zu vermitteln. Die Empfänger müssen die Einstellung schriftlich bestätigen.
Die Ohio Casino Control Commission (OCCC) verlangt von zehn Prognosemarkt-Betreibern und Brokern, Sportereignis-Kontrakte im Bundesstaat nicht länger anzubieten oder zu vermitteln. Die Empfänger müssen die Einstellung schriftlich bestätigen.
Die OCCC hat am Freitag, dem 2. Oktober 2026, Unterlassungsaufforderungen an Coinbase, Gemini Titan, Moomoo Financial, Novig, Plus500US, Polymarket, Prophet X, Robinhood Derivatives, Underdog Predict und Webull Financial geschickt. Die Schreiben fordern die Unternehmen auf, Angebote zu Sportereignis-Kontrakten für Kunden in Ohio einzustellen und dies binnen 14 Tagen, spätestens bis zum 16. Oktober, schriftlich zu bestätigen. Die Maßnahme stützt sich auf das Urteil des Sixth Circuit vom 25. September, wonach Ohio seine Glücksspielgesetze auf solche Kontrakte anwenden kann. Das Urteil hatte die Durchsetzung der Glücksspielregeln Ohios gegen Sportkontrakte ermöglicht.
Neue Schreiben bauen auf Verfahren gegen Kalshi auf
Die zehn Aufforderungen folgen auf einen längeren Rechtsstreit zwischen der OCCC und Kalshi. Kalshi steht nicht auf der Empfängerliste: Das Unternehmen hatte die Kommission verklagt und unterlag vor dem Sixth Circuit. Im März 2025 hatte die OCCC bereits Kalshi, Robinhood und Crypto.com zur Einstellung ihrer Angebote aufgefordert.
Ein Bundesgericht in Ohio lehnte am 9. März Kalshis Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Im April beantragte die Kommission, gegen Kalshi wegen des Betriebs nicht lizenzierten Sport-Glücksspiels eine Strafe von fünf Millionen US-Dollar zu verhängen. Die zehn neuen Schreiben markieren damit eine Ausweitung der Durchsetzung auf weitere Plattformen und Broker, nachdem die Berufungsentscheidung den rechtlichen Spielraum der OCCC gestärkt hatte. Die Auseinandersetzung um die Regulierung von Sportkontrakten durch die Bundesstaaten betrifft damit nicht nur die Betreiber der Märkte, sondern auch Vermittler, über die Kunden Zugang zu den Kontrakten erhalten.
Bei Robinhood ist das Schreiben keine erstmalige Aufforderung. Die OCCC bezeichnete es als erneute Bestätigung ihres Schreibens vom März 2025 und verwies auf Angaben auf Robinhoods eigener Website. Demnach bietet das Unternehmen Sportereignis-Kontrakte als Futures Commission Merchant (FCM) über KalshiEX LLC, ForecastEX LLC oder Rothera Exchange and Clearing LLC an. Die Kommission erklärte außerdem, Robinhood und Susquehanna International Group schienen Rothera gemeinsam zu betreiben, eine Börse für designierte Kontraktmärkte.
OCCC verlangt Stopp von Angebot und Vermittlung
Die Forderungen erfassen mehr als das direkte Anbieten von Kontrakten. Im Schreiben an Underdog verlangt die Kommission, dass das Unternehmen weder Sportereignis-Kontrakte anbietet noch sich an deren Angebot beteiligt oder die Angebote anderer vermittelt. Dazu zählt die OCCC auch das Anwerben oder Annehmen von Aufträgen für Kontrakte, die an sogenannten Designated Contract Markets (DCMs) gelistet sind, wenn die Kunden sich in Ohio befinden.
DCMs sind bundesrechtlich regulierte Märkte, an denen die Kontrakte gelistet werden. FCMs sind Broker, über die Kunden an solchen Märkten handeln können. Die Schreiben zielen somit auch auf die Vertriebswege, über die Einwohner Ohios Zugang zu den Produkten erhalten, und nicht allein auf die Betreiber der Börsen.
Die OCCC warnt, dass eine Missachtung der Aufforderung administrative, zivilrechtliche, sogenannte nuisance- oder strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen könne. Nach Auffassung der Kommission stellt das Anbieten nicht lizenzierten Sport-Glücksspiels in Ohio eine Straftat dar und fällt zugleich unter Bookmaking oder die Vermittlung von Bookmaking. Die Behörde kann nach eigener Darstellung eine zivilrechtliche Sanktion in Höhe des Geldes verhängen, das ein Unternehmen durch die Angebote an Einwohner Ohios erlangt hat. Auch Maßnahmen gegen Führungskräfte, Direktoren und Muttergesellschaften kommen laut den Schreiben infrage.
OCCC-Interimsdirektorin Andromeda Morrison begründete das Vorgehen mit dem Schutz der Verbraucher und den gesetzlichen Aufgaben der Kommission:
“Because these wagers lack the protections Ohio law requires, particularly for young and vulnerable people, the Commission must take action to fulfill its statutory responsibilities, protect consumers, and maintain fairness and integrity in sports gaming across Ohio,”
Morrison erklärte außerdem, die Entscheidung des Sixth Circuit mache deutlich, dass die Sportereignis-Kontrakte Ohios Glücksspielgesetzen unterlägen. Die Kommission erwarte daher, dass die Unternehmen ihre Tätigkeit im Bundesstaat unverzüglich beendeten.
Urteil verschärft die regulatorische Abgrenzung
Bundesstaaten vertreten seit längerem die Auffassung, dass Sportereignis-Kontrakte wirtschaftlich Sportwetten darstellen und deshalb unter staatliche Glücksspielgesetze fallen. Betreiber von Prognosemärkten haben demgegenüber geltend gemacht, dass ihre Kontrakte Finanzprodukte seien und unter bundesrechtliche Regeln fielen. Die OCCC hatte bereits im Verfahren gegen Kalshi argumentiert, dessen Sportkontrakte würden nicht durch Bundesrecht von den Glücksspielgesetzen Ohios ausgenommen.
Die Entscheidung des Sixth Circuit vom 25. September gab Ohio die Grundlage, diese Position gegenüber den zehn Empfängern praktisch durchzusetzen. Damit rückt neben der regulatorischen Einordnung der Kontrakte auch die Rolle von Brokern in den Fokus, die Kundenaufträge an DCMs weiterleiten. Die Debatte über die Abgrenzung zwischen CFTC-Aufsicht, Event-Kontrakten und Glücksspielrecht erhält dadurch unmittelbare Folgen für das Angebot in einzelnen Bundesstaaten.

Auch der Konflikt um Verbraucherschutz und die öffentliche Einordnung von Prognosemärkten prägt die Position der OCCC. Im Juni verließ die Kommission den National Council on Problem Gambling (NCPG), nachdem dieser nach einer Zahlung von zwei Millionen US-Dollar durch Kalshi eine Mitgliedschaftskategorie für Finanzdienstleistungen und Trading eingerichtet hatte. Morrison kritisierte, die Beziehung gehe über die Unterstützung von Maßnahmen gegen problematisches Glücksspiel hinaus und könne den Eindruck erwecken, Kalshis Plattform biete dieselben Schutzvorkehrungen wie lizenzierte Sportwettenanbieter. Das sei nicht der Fall, erklärte sie.
Bis zum 16. Oktober müssen alle zehn Empfänger schriftlich bestätigen, dass sie Sportereignis-Kontrakte in Ohio nicht länger anbieten oder vermitteln. Bei ausbleibender Befolgung stehen der OCCC nach den Schreiben finanzielle Sanktionen sowie mögliche administrative, zivilrechtliche und strafrechtliche Schritte offen; die nächsten Reaktionen der Unternehmen werden zeigen, ob die Berufungsentscheidung unmittelbar zu Änderungen beim Zugang für Kunden in Ohio führt.
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