Swap oder Wette? CFTC-Entwürfe stellen Weichen für Event-Kontrakte

Die CFTC hat zwei Regelentwürfe zu Event-Kontrakten von Prognosemärkten an das Weiße Haus übermittelt. Ihre Einordnung als Swap oder Wette kann beeinflussen, ob Bundesbehörden oder einzelstaatliche Glücksspielregulierer für die Produkte zuständig sind.

Swap oder Wette? CFTC-Entwürfe stellen Weichen für Event-Kontrakte

Die CFTC hat zwei Regelentwürfe zu Event-Kontrakten von Prognosemärkten an das Weiße Haus übermittelt. Ihre Einordnung als Swap oder Wette kann beeinflussen, ob Bundesbehörden oder einzelstaatliche Glücksspielregulierer für die Produkte zuständig sind.

Die US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat zwei vorgeschlagene Regeln zu Prognosemarkt-Event-Kontrakten an das Office of Information and Regulatory Affairs (OIRA) im Weißen Haus zur Prüfung weitergeleitet. Damit befinden sich die Entwürfe in einer vorgelagerten Verfahrensstufe; ein Termin für den Abschluss der Prüfung ist nicht veröffentlicht. Die mögliche Folge reicht über einzelne Plattformen hinaus: Die Regeln könnten mitbestimmen, ob Event-Kontrakte bundesrechtlich als Finanzinstrumente oder nach einzelstaatlichem Recht als Glücksspielangebote behandelt werden.

Die Angaben zum Verfahrensschritt gehen aus einem Handelsbericht vom 2. Oktober hervor. Dem Bericht zufolge waren die Entwürfe nach einem Handelsbericht vom 2. Oktober an OIRA gelangt, die Bundesregeln vor ihrer Veröffentlichung prüft. Ein Zeitplan für die nächsten Schritte im CFTC-Verfahren geht aus dem betreffenden Docket ebenfalls nicht hervor.

Swap-Definition und Prüfstand der Entwürfe

Der federführende Vorschlag trägt die Docket-Nummer RIN 3038-AF82. Er würde die Definition eines Swaps erweitern, sodass Event-Kontrakte darunterfallen könnten. Ein zweiter, begleitender Entwurf befasst sich damit, ob spielähnliche Produkte aus dem Swap-Bereich ausgeschlossen werden können. Zusammen betreffen die Vorschläge damit sowohl die mögliche bundesrechtliche Einordnung der Kontrakte als auch Grenzen für bestimmte an Börsen angebotene Produkte.

Die Entwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Zuständigkeit für Sportkontrakte von Prognosemärkten gerichtlich umkämpft ist. Eine Woche vor der Übermittlung entschied der US Court of Appeals for the Sixth Circuit zugunsten Tennessees, hob eine Entscheidung eines untergeordneten Gerichts auf und erlaubte dem Bundesstaat, Sportkontrakte von Prognosemärkten zu regulieren. Die Primärquelle nennt keine näheren Einzelheiten zur Begründung des Berufungsgerichts; weitergehende Aussagen zur Reichweite des Urteils lassen sich daraus daher nicht ableiten.

Kalshi bietet laut dem Bericht seit 2025 Event-Kontrakte in Tennessee an und begründete dies damit, dass die Produkte den Swap-Standard erfüllten. Der Streit um die rechtliche Definition ist damit nicht abstrakt: Sie berührt, welche Aufsichts- und Lizenzregeln für konkrete Verträge gelten können. Die Diskussion um die CFTC-Regeln für Swaps und Prognosemarkt-Kontrakte steht entsprechend im Zusammenhang mit der breiteren Zuständigkeitsfrage zwischen Bundesebene und Bundesstaaten.

Konflikt zwischen Bundesaufsicht und Glücksspielrecht

Kalshi vertritt die Auffassung, dass seine Sport- und Wahlkontrakte Finanzinstrumente sind. Staatliche Glücksspielregulierer halten dem nach Darstellung von WellPlayed entgegen, es handele sich um Wetten, die unter ihre jeweiligen Lizenzregime fallen. Ob ein Event-Kontrakt als Swap oder als Wette gilt, bildet damit den rechtlichen Kern des Konflikts zwischen Prognosemarktbetreibern und den Bundesstaaten.

Die beiden Entwürfe setzen an unterschiedlichen Seiten dieser Frage an. Eine breitere Swap-Definition könnte Event-Kontrakte stärker in den bundesrechtlichen Rahmen für Finanzprodukte einbeziehen. Der Begleitvorschlag würde dagegen klären, ob Produkte mit Glücksspielcharakter aus diesem Bereich herausgenommen werden können. Die konkrete Wirkung hinge von der endgültigen Regelung ab; aus der Übermittlung an OIRA allein folgt noch keine Entscheidung über die rechtliche Behandlung einzelner Verträge.

Für registrierte Handelsplätze könnte der zweite Vorschlag unabhängig von der Behandlung von Sport- oder Wahlkontrakten direkte Produktgrenzen setzen. Würde er angenommen, dürften Designated Contract Markets, also bei der CFTC registrierte Börsen wie Kalshi, keine Kontrakte auf Online-Glücksspielprodukte wie Blackjack oder Craps listen. Der Entwurf betrifft somit nicht nur die Zuständigkeitsdebatte, sondern könnte auch festlegen, welche Arten von Ereigniskontrakten solche Plattformen überhaupt anbieten dürfen. Die Frage, welche Kontrakte Prognosemarkt-Börsen anbieten dürfen, bleibt damit ein eigener Teil der regulatorischen Prüfung.

Für Betreiber ist die Unterscheidung wesentlich, weil eine bundesrechtliche Einordnung als Swap nicht automatisch bedeutet, dass einzelstaatliche Glücksspielregeln keine Rolle mehr spielen. Umgekehrt kann die Einstufung als Wette Anforderungen an Lizenzen und den Zugang zu einzelnen Märkten auslösen. Die vorliegenden Angaben belegen, dass der Regelungsprozess diese Fragen berührt; sie enthalten jedoch keine abschließende Aussage darüber, wie eine künftige Regel mit bestehenden einzelstaatlichen Vorgaben zusammenspielen würde.

Senatsbeschluss und offene nächste Schritte

Am selben Tag, an dem die Regelentwürfe an das Weiße Haus gingen, nahm der US-Senat den Protect College Sports Act mit 77 zu 22 Stimmen an. Der Gesetzentwurf von Senator Ted Cruz würde College-Konferenzen und Sportverbänden erlauben, Athleten zu sperren, wenn diese an Sportwetten oder Sport-Event-Kontrakten teilnehmen. Der Senatsbeschluss ist ein eigener gesetzgeberischer Vorgang und ersetzt nicht die noch laufende Prüfung der CFTC-Entwürfe durch OIRA.

Eine Aquarellkarikatur von Ted Cruz im Anzug mit roter Krawatte.
Karikatur von Senator Ted Cruz

Für die Regelvorschläge ist zunächst die Prüfung bei OIRA der belegte nächste Verfahrensschritt. Ein öffentliches Abschlussdatum der Behörde liegt laut Primärquelle nicht vor, und auch der Docket nennt keinen Zeitplan für die folgenden Phasen des CFTC-Verfahrens. Die Übermittlung schafft damit noch keine neue endgültige Regel, markiert aber einen konkreten Schritt in einer Auseinandersetzung, in der die Abgrenzung zwischen Bundesaufsicht und staatlichem Glücksspielrecht die künftigen Angebote von Prognosemarktbetreibern mitbestimmen könnte.

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Anja Sellman-Reiner
Casino & Poker Experte

Anja ist iGaming-Expertin und spezialisierte Content-Strategin mit Fokus auf die inhaltliche Qualität und strategische Ausrichtung digitaler Glücksspielangebote. Sie entwickelt, analysiert und optimiert Fach- und Marketingtexte für Online-Casinos und Sportwettenanbieter mit einem klaren Blick für regulatorische Anforderungen, Zielgruppenansprache und Conversion-Logik. Anjas Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Branchenexpertise, psychologischem Verständnis für Nutzerverhalten und präziser, performanceorientierter Kommunikation.

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