US-500-Kontrakt rückt Kalshi näher an klassische Terminbörsen
Der US-500-Perpetual erweitert Kalshis Angebot von Ja-nein-Ereigniskontrakten hin zu kontinuierlichem Derivatehandel und rückt den Wettbewerb mit traditionellen Terminbörsen stärker in den Vordergrund.
Der US-500-Perpetual erweitert Kalshis Angebot von Ja-nein-Ereigniskontrakten hin zu kontinuierlichem Derivatehandel und rückt den Wettbewerb mit traditionellen Terminbörsen stärker in den Vordergrund.
Kalshi hat am 6. Oktober 2026 einen Perpetual-Futures-Kontrakt auf den US 500 eingeführt, einen Index mit 500 der größten US-Unternehmen. Trader können damit Long- oder Short-Positionen eingehen, ohne die zugrunde liegenden Aktien zu besitzen; einen planmäßigen Verfall gibt es nicht. Der Schritt erweitert das Geschäft der Plattform über Ereigniskontrakte hinaus und führt zugleich neue Anforderungen an Finanzierung und Risikosteuerung ein.
Kein Verfall bedeutet keine Kostenfreiheit
Anders als bei konventionellen Futures hat ein Perpetual keinen festgelegten Verfallstermin. Eine Position muss deshalb nicht regelmäßig geschlossen und in einen später fälligen Kontrakt übertragen werden. Die fortlaufende Position bleibt jedoch von Finanzierungskosten, Sicherheitenanforderungen und Marktbewegungen abhängig.
Funding-Zahlungen zwischen Long- und Short-Tradern sollen den Kontraktpreis an den zugrunde liegenden Index angleichen. Je nach Funding-Satz und gehaltener Seite können Trader diese Zahlungen leisten oder erhalten. Auch bei einer zutreffenden Einschätzung der Marktrichtung können Funding-Kosten und Handelsgebühren die Rendite mindern.
Der Kontrakt verschafft Derivate-Exposure, aber kein Eigentum an den abgebildeten Unternehmen. Hebelwirkung vergrößert Gewinne ebenso wie Verluste; eine starke Gegenbewegung kann dazu führen, dass eine Position geschlossen wird, bevor sich der Markt erholt. Kalshis Informationsmaterial beschreibt eine automatische Liquidation, wenn Verluste sich dem hinterlegten Betrag nähern.
Für den US-500-Kontrakt sind der maximale Hebel und der Funding-Zeitplan in der Berichterstattung zum Launch nicht genannt. Parameter anderer Kalshi-Perpetuals lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf dieses Produkt übertragen. Dies verändert auch die Bedeutung von Liquiditäts- und Sicherheitenmanagement.
Kalshi zielt auf kontinuierlichen Finanzhandel
Der US 500 folgt auf eine im August eingereichte regulatorische Vorlage für Perpetual-Futures auf Aktienindizes. Eine CFTC-Genehmigung für den neuen Kontrakt ist in den vorliegenden Angaben nicht bestätigt. Der Launch ist deshalb von der Frage zu unterscheiden, welche aufsichtsrechtlichen Anforderungen für einzelne Produktarten gelten und wie neue Kontrakte eingeführt werden können. Dazu gehört auch der Rahmen für Kontrakte an Prognosemärkten.
Kalshis bestehende Perpetual-Reihe umfasst laut Reuters bereits Kryptowährungen und Edelmetalle. Der Aktienindex-Kontrakt soll zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten zwischen Wahlen, Sportereignissen und Wirtschaftsveröffentlichungen schaffen und auch Kunden ansprechen, die bereits Futures, Optionen oder Krypto-Derivate handeln. Dafür muss der Markt genügend Gegenparteien anziehen, damit Trader Positionen verlässlich eröffnen und schließen können.
Bei Perpetuals hängt die Nutzererfahrung nicht allein von der Richtung des Index ab. Funding-Kosten, Handelsgebühren und Liquidationsmechanismen beeinflussen, wie lange Positionen gehalten werden können und welche Gesamtrendite daraus entsteht. Auch die Selbstzertifizierung neuer Prognosemarktkontrakte gehört zum regulatorischen Kontext, ohne dass sie für sich genommen eine Genehmigung des US-500-Produkts belegt.
Polymarket erweitert ebenfalls sein Derivateangebot
Auch Polymarket hat sein Angebot ausgebaut: Am 3. September führte die Plattform internationale Perpetuals auf Kryptowährungen, Aktien, Indizes und Rohstoffe ein. Zu den Rohstoffkontrakten zählen Brent und WTI sowie Gold und Silber; bei ausgewählten Produkten ist ein Hebel von bis zu 20-fach verfügbar.

Diese Perpetuals werden über Polymarkets internationale Plattform angeboten und stehen US-Tradern nicht zur Verfügung. Sie sind von Polymarket US getrennt, einer CFTC-regulierten Börse. Beide Anbieter bewegen sich damit über einzelne Ja-nein-Fragen hinaus, allerdings mit unterschiedlichen Marktstrukturen und Kundengruppen.
Kalshi hat außerdem Regelvorschläge für Perpetuals auf einzelne Aktien und ETFs wie Apple, Nvidia und SPY eingereicht. Diese geplanten Security-Futures-Produkte erfordern eine separate regulatorische Behandlung; eine Einführung oder ein Zeitplan ist nicht bestätigt. Verfahren zu Kalshis Sportkontrakten betreffen andere Aktivitäten und Rechtsfragen und entscheiden nicht über den Status des US-500-Kontrakts. Der Wettbewerb wird damit zunehmend daran gemessen, ob die Plattformen neben dem Zugang zu Märkten auch ausreichende Liquidität und tragfähige Handelsbedingungen bieten.
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