Kalshi baut Lobby-Netzwerk in 41 US-Bundesstaaten aus

Die politische Einflussnahme der Prognosemarktbranche wächst parallel zum Rechtsstreit darüber, ob Sportereignis-Kontrakte unter Bundes- oder einzelstaatliches Recht fallen.

Kalshi baut Lobby-Netzwerk in 41 US-Bundesstaaten aus
Die Benutzeroberfläche der Kalshi-App

Die politische Einflussnahme der Prognosemarktbranche wächst parallel zum Rechtsstreit darüber, ob Sportereignis-Kontrakte unter Bundes- oder einzelstaatliches Recht fallen.

Kalshi, Polymarket und die Coalition for Prediction Markets haben 2026 bislang mindestens 3 Millionen US-Dollar für Lobbyarbeit und politische Beiträge auf Bundes- und Staatsebene ausgegeben. Die Summe umfasst alle drei Akteure; Kalshis eigene Zahlungen sind darin nur ein Teil. Im Zentrum steht die Frage, ob die Kontrakte als von der CFTC regulierte Finanzgeschäfte oder als Glücksspielangebote unter die Gesetze der Bundesstaaten fallen. Die CFTC geht gegen Staaten vor, die ihre Glücksspielgesetze auf Prognosemärkte anwenden wollen, wie auch der Rechtsstreit um Minnesotas Vorgehen gegen Prognosemärkte zeigt.

Rechtslage bleibt zwischen Bund und Staaten umstritten

Die Betreiber ordnen ihre Ereigniskontrakte als Swaps ein, die in den Zuständigkeitsbereich der Commodity Futures Trading Commission fallen. Mehrere Bundesstaaten halten dagegen, dass die Plattformen Sportwetten und andere Glücksspiele anbieten und deshalb staatliche Glücksspielvorschriften einhalten müssen.

Mehrere Verfahren zu dieser Zuständigkeitsfrage sind vor Bundesgerichten vorangeschritten. Da Gerichte unterschiedliche Auffassungen vertreten haben, ist die Rechtslage weiterhin ungeklärt; laut dem Bericht bewegt sich der Streit in Richtung Supreme Court.

Zusätzlichen politischen Druck erzeugte im Juli ein Schreiben von 44 Generalstaatsanwälten an die CFTC. Darin ordnete die Koalition Prognosemärkte als Glücksspiel ein und forderte, dass Bundesregulierung einzelstaatliche Glücksspielgesetze nicht verdrängen solle. Die Plattformen stehen zudem wegen Vorwürfen zu möglichem Insiderhandel, Wetten auf Militäroperationen und irreführenden Marketingpraktiken unter Beobachtung.

Der Bericht der Arkansas Advocate stützt seine Angaben zur politischen Finanzierung auf von OpenSecrets ausgewertete Steuerunterlagen und Lobbying-Offenlegungen. Er beschreibt die Ausgaben als Teil eines breiteren Konflikts, in dem die Anbieter mit politischer Präsenz auf Bundes- und Staatsebene auf mögliche Regulierung reagieren.

Spenden und Lobbyisten zielen auf Schlüsselstaaten

Im ersten Halbjahr 2026 zahlte Kalshi laut den ausgewerteten Unterlagen 147.500 US-Dollar an die Republican Attorneys General Association und 170.000 US-Dollar an die Democratic Attorneys General Association. Die Verbände unterstützen Kandidaten für das Amt des Generalstaatsanwalts. Zugleich spendete Kalshi 100.000 US-Dollar an die Republican Governors Association und 150.000 US-Dollar an die Democratic Governors Association.

Weitere Beiträge gingen an den Super-PAC, der Ken Paxtons Senatskandidatur unterstützt, sowie an die Kampagnen von Charity Clark in Vermont, Dan Rayfield in Oregon und James Utheimer in Florida. Rayfield und Clark erklärten gegenüber lokalen Medien, politische Spenden hätten keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen. Kalshi teilte mit, wie viele regulierte US-Unternehmen Kandidaten beider Parteien zu unterstützen.

Ken Paxton spricht vor einem Banner bei seiner Ankündigung als Kandidat für das Amt des Generalstaatsanwalts.
Ken Paxton bei einer politischen Veranstaltung.

Parallel baute das Unternehmen seine Lobbypräsenz aus: Bis September hatte Kalshi in 41 Bundesstaaten mindestens einen registrierten Lobbyisten, von denen fast alle seit April hinzugekommen waren. Der Bericht sieht darin eine Vorbereitung auf mögliche einzelstaatliche Gesetzgebung, insbesondere dort, wo Regulierer und Politiker die Zuständigkeit der Staaten betonen.

Kalifornien und New York zählen zu den wichtigsten Schwerpunkten. In Kalifornien gab Kalshi im ersten Halbjahr 62.000 US-Dollar für Lobbyarbeit aus und wandte sich dabei unter anderem drei Gesetzentwürfen sowie den Büros des Generalstaatsanwalts und des Gouverneurs zu. Die Arbeit übernahm zunächst Redwood Public Affairs; am 12. August registrierte Kalshi zusätzlich die Weideman Group.

In New York erhöhte Kalshi die monatlichen Zahlungen an Brown & Weinraub Advisors von 10.000 auf 25.000 US-Dollar und vereinbarte mit der Mirram Group ebenfalls 25.000 US-Dollar pro Monat, mit einem Vertrag bis Juli 2027. Auch Blake Bee, Kalshis Leiter für Beziehungen zu den Bundesstaaten, wurde dort als interner Lobbyist registriert. Einschließlich dieser Aktivitäten wird mit mehr als 400.000 US-Dollar an New Yorker Lobbying-Ausgaben bis Juli 2027 gerechnet. Die politische Dimension des Konflikts zeigt sich auch in der Beteiligung politischer Akteure am Streit um Prognosemärkte.

Bundes-Lobbying ergänzt die Arbeit in den Staaten

Kalshi gab im ersten Halbjahr 2026 knapp 1 Million US-Dollar für Lobbyarbeit auf Bundesebene aus. Neben einem internen Team beauftragte das Unternehmen sechs externe Firmen. Zu den Lobbythemen gehörten der Prediction Market Act, der Protect College Sports Act und der National Defense Authorization Act (NDAA), ebenso die CFTC, das Weiße Haus, die Securities and Exchange Commission sowie beide Kammern des Kongresses.

Der NDAA enthält laut dem Bericht Bestimmungen, die bestimmte Transaktionen mit Prognosemarkt-Kontrakten beschränken, Handel durch Personal des Verteidigungsministeriums untersagen und Wetten auf Militäroperationen verbieten würden. Kalshis Offenlegungen benennen die bearbeiteten Gesetze und Institutionen, legen aber nicht für jeden Vorgang die konkrete Position des Unternehmens offen.

Polymarket gab 2026 bislang 180.000 US-Dollar für Bundes-Lobbying aus und hatte laut Bericht noch keine Lobbyisten auf Ebene der Bundesstaaten registriert. Die Coalition for Prediction Markets, der neben Kalshi auch Robinhood, Coinbase, Crypto.com und Underdog angehören, zahlte bis zum 30. Juni 100.000 US-Dollar an Bundes-Lobbyisten und gab 50.000 US-Dollar für Lobbyarbeit in Kalifornien aus. Polymarket ist kein Mitglied der Koalition.

Die unterschiedlichen Positionen berühren nicht nur die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörden, sondern auch die Frage, welche Regeln zu Verbraucherschutz, Besteuerung und Marktzugang gelten sollen. Die Debatte über Regulierung und Besteuerung von Prognosemärkten bildet damit den wirtschaftlichen Hintergrund der politischen Auseinandersetzung.

Sollte der Supreme Court staatliche Glücksspielregulierung für anwendbar erklären, könnte Kalshis Präsenz in den Bundesstaaten für die Reaktion auf neue Gesetze entscheidend werden. Die laufenden Lobbyverträge in New York reichen bis Juli 2027, während Bee dort bis Dezember 2026 registriert ist; damit läuft der politische Ausbau parallel zu einer weiterhin offenen Zuständigkeitsfrage.

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Anja Sellman-Reiner
Casino & Poker Experte

Anja ist iGaming-Expertin und spezialisierte Content-Strategin mit Fokus auf die inhaltliche Qualität und strategische Ausrichtung digitaler Glücksspielangebote. Sie entwickelt, analysiert und optimiert Fach- und Marketingtexte für Online-Casinos und Sportwettenanbieter mit einem klaren Blick für regulatorische Anforderungen, Zielgruppenansprache und Conversion-Logik. Anjas Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Branchenexpertise, psychologischem Verständnis für Nutzerverhalten und präziser, performanceorientierter Kommunikation.

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