Sponsoringverbot bringt Brasiliens Klubs in Bedrängnis

Die Frist setzt Sponsoringverträge und Klubbudgets unter kurzfristigen Anpassungsdruck. Zugleich bleibt offen, wie sich die Maßnahme auf Verträge auswirkt, falls Kongress oder Oberstes Bundesgericht sie kippen.

Sponsoringverbot bringt Brasiliens Klubs in Bedrängnis

Die Frist setzt Sponsoringverträge und Klubbudgets unter kurzfristigen Anpassungsdruck. Zugleich bleibt offen, wie sich die Maßnahme auf Verträge auswirkt, falls Kongress oder Oberstes Bundesgericht sie kippen.

Brasiliens provisorische Maßnahme MP 1.394/2026 verpflichtet Wettanbieter, ihre Marken bis zum 5. Oktober von Fußballtrikots zu entfernen; am 25. Oktober sollen zudem die 85 Lizenzen des Sektors erlöschen. Flamengo beantragte am 29. September beim Obersten Bundesgericht STF, sich als amicus curiae am Verfahren ADI 8027 zu beteiligen. Eine Entscheidung über die Maßnahme liegt damit noch nicht vor.

Klubs fordern mehr Zeit und gehen vor Gericht

Mehrere Série-A-Klubs drängen auf eine Übergangsfrist. Sie argumentieren, dass das abrupte Ende der Wettwerbung die Budgets für 2026 und 2027 gefährde und bestehende Verpflichtungen nicht automatisch mit den Sponsoringerlösen verschwänden.

Laut einem Bericht der Folha de S.Paulo diskutierten Führungskräfte einiger führender Klubs sogar darüber, die brasilianische Meisterschaft auszusetzen, um die Regierung zu einer Überprüfung der MP zu bewegen. Ein für den 29. September angesetztes Treffen zwischen Regierung und Klubs, vermittelt durch den brasilianischen Fußballverband CBF, wurde angesichts der Gefahr eines Boykotts abgesagt.

Flamengo beantragte beim STF, als amicus curiae in ADI 8027 zugelassen zu werden. Die Klage gegen die Maßnahme reichten der nationale Verband der Spiele- und Lotterieanbieter ANJL sowie das Brasilianische Institut für verantwortungsbewusstes Glücksspiel IBJR ein; Berichterstatter ist Richter Luiz Fux. Als amicus curiae wird Flamengo nicht selbst Partei des Verfahrens, kann dem Gericht aber Informationen und Argumente vorlegen.

Das Gebäude des Supremo Tribunal Federal in Brasília mit einer Statue im Vordergrund unter blauem Himmel.
Das Gebäude des Supremo Tribunal Federal in Brasília.

Der Klub hält die zehntägige Frist zur Entfernung der Marken für unzureichend und argumentiert, das Sponsoringverbot treffe unmittelbar die Finanzierung des Sports. Palmeiras soll nach Angaben von Globo Esporte ebenfalls einen entsprechenden Schritt erwägen; die Klubs koordinieren demnach ein gemeinsames Vorgehen. Die Auseinandersetzung ergänzt die bereits laufende Debatte über die Folgen des Wettverbots in Brasilien.

Milliardenbeträge und ungleich verteilte Folgen

Nach Angaben der brasilianischen Beratungsgesellschaft Convocados erhielten Klubs der Série A 2025 rund 1,03 Milliarden Real (etwa 201 Millionen US-Dollar) aus Wettanbieter-Sponsoring. Hinzu kommen mindestens 500 Millionen Real aus Bandenwerbung, die ebenfalls wegfallen könnten, da Wettanbieter zu den wichtigsten Kunden dieser Werbeflächen zählen.

Im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen der Série-A-Klubs von 14,3 Milliarden Real entsprach Sponsoring 2025 durchschnittlich 7,2 Prozent. Die Abhängigkeit variiert jedoch deutlich: Beim FC São Paulo machten Wettanbieter laut der Beratung Sports Value 73 Prozent der Marketingerlöse aus. Flamengo, dessen Vertrag mit Betano als wertvollster Sponsoringvertrag des Landes gilt, beziffert mögliche Verluste nach Angaben von UOL auf bis zu 430 Millionen Real für den Klub und rund 2,5 Milliarden Real für den brasilianischen Fußball.

Auch bereits produzierte Ware steht zur Disposition. Flamengo hatte 400.000 Trikots für 2027 auf Lager beziehungsweise in Produktion; Klubs und Ausrüster müssen nun klären, wie die Ware angepasst wird und wer die Kosten trägt. Die Folgen der Entwicklung der Werberegulierung für Sportwettenanbieter reichen damit über die unmittelbaren Sponsoringverträge hinaus.

Bei Vitória beendete Hauptsponsor 7K Bet einen bis 2027 laufenden Vertrag unter Berufung auf die MP und ohne Vertragsstrafe. Dem Klub entgehen dadurch voraussichtlich 8,8 Millionen US-Dollar für 2027 sowie Einnahmen aus Bandenwerbung. Ana Gaming, die Muttergesellschaft von 7K Bet, bestätigte die Kündigung auf Anfrage von NEXT.io nicht, erklärte aber, die veränderten Rahmenbedingungen machten Anpassungen in den Geschäftsbeziehungen erforderlich, die verantwortungsvoll und vorsichtig umgesetzt würden.

Verträge auf Pause, Ersatz nicht gesichert

Andere Anbieter setzen ihre Vereinbarungen zunächst aus, statt sie zu beenden. Santos suspendierte den bis zu 85 Millionen Real schweren Vertrag mit Novibet; das Unternehmen wollte sich gegenüber NEXT.io nicht äußern. Im Markt gelten auch Flamengos Vertrag mit Betano und Corinthians’ bis 2029 laufende Vereinbarung mit Esportes da Sorte, die bis zu 200 Millionen Real jährlich wert sein soll, als mögliche Kandidaten für eine Aussetzung. Betano verwies auf Anfrage auf das IBJR, der CBF äußerte sich nicht zur MP.

Die Aussetzungen spiegeln die Hoffnung wider, dass Kongress oder STF die Maßnahme aufheben könnten. Zugleich verweisen Branchenvertreter auf das Risiko rechtlicher Unsicherheit: Unternehmen, die nicht absehen können, wie lange sie eine Sponsoringfläche nutzen dürfen, könnten ihre Investitionen begrenzen oder stärker absichern.

Als mögliche Ersatzpartner brachte die Werbeplattform Fatal Model laut Folha de S.Paulo Angebote von mehr als 100 Millionen Real für Flamengo und Corinthians ins Spiel. Automobil- und Technologieunternehmen sind ebenfalls im Fußball präsent, bislang jedoch überwiegend auf anderen Werbeflächen. Erich Beting, Gründer des Sportbusiness-Mediums Máquina do Esporte, hält einen gleichwertigen Ersatz der Beträge, die Wettanbieter für Trikot-Hauptsponsorings zahlten, für sehr unwahrscheinlich.

Bis zum 5. Oktober müssen die Wettmarken von den Trikots verschwunden sein; am 25. Oktober sollen die 85 Lizenzen erlöschen. Wie viel der Einnahmeausfälle aufgefangen werden kann, hängt damit nicht nur von Ersatzsponsoren ab, sondern auch von den politischen und gerichtlichen Entscheidungen über die MP und von der Fähigkeit der Klubs, ihre Sponsorenbasis breiter aufzustellen.

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Anja Sellman-Reiner
Casino & Poker Experte

Anja ist iGaming-Expertin und spezialisierte Content-Strategin mit Fokus auf die inhaltliche Qualität und strategische Ausrichtung digitaler Glücksspielangebote. Sie entwickelt, analysiert und optimiert Fach- und Marketingtexte für Online-Casinos und Sportwettenanbieter mit einem klaren Blick für regulatorische Anforderungen, Zielgruppenansprache und Conversion-Logik. Anjas Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Branchenexpertise, psychologischem Verständnis für Nutzerverhalten und präziser, performanceorientierter Kommunikation.

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