Bund oder Bundesstaaten? Streit um Sportkontrakte vor Supreme Court
Eine Entscheidung könnte die Aufsicht über Sportereignis-Kontrakte zwischen den Bundesstaaten und der CFTC neu ordnen. Die NFL argumentiert, dass staatliche Glücksspielbehörden angesichts der bestehenden Marktstruktur besser für den Schutz von Verbrauchern und Spielintegrität aufgestellt seien.
Eine Entscheidung könnte die Aufsicht über Sportereignis-Kontrakte zwischen den Bundesstaaten und der CFTC neu ordnen. Die NFL argumentiert, dass staatliche Glücksspielbehörden angesichts der bestehenden Marktstruktur besser für den Schutz von Verbrauchern und Spielintegrität aufgestellt seien.
Die NFL hat sich in einem am Donnerstag, 8. Oktober, eingereichten Amicus-Schriftsatz hinter New Jerseys Antrag an den US Supreme Court gestellt, die Zuständigkeit für Prognosemärkte zu klären. Auf diesen Plattformen können Nutzer auf den Ausgang künftiger Ereignisse handeln oder wetten. Die CFTC beansprucht die ausschließliche Bundeszuständigkeit für die Kontrakte; mehrere Bundesstaaten ordnen die meist binären Ja-oder-Nein-Fragen dagegen dem Glücksspielrecht zu. Im Zentrum steht damit die Frage, ob die staatliche Aufsicht für Sportereignis-Kontrakte neben der Bundesregulierung Bestand hat. Die Zuständigkeit der CFTC für Sportereignis-Kontrakte ist zugleich ein zentraler Streitpunkt im Verfahren.

Widersprüchliche Berufungsurteile erhöhen den Druck
New Jersey ersucht den Supreme Court um eine Entscheidung darüber, ob die Regulierung dieser Märkte dem Bund oder den Bundesstaaten zusteht. Ohio reichte am Mittwoch, 7. Oktober, ebenfalls einen Schriftsatz ein, der New Jerseys Position unterstützt. Nach Angaben im von WMUR veröffentlichten Bericht wurde dieser Vorstoß von 38 Bundesstaaten getragen, darunter Bundesstaaten mit republikanischen und demokratischen Generalstaatsanwälten.
Rund 20 Bundesstaaten sind in Rechtsstreitigkeiten über Prognosemärkte involviert. Dabei stehen unterschiedliche Urteile auf Ebene der Berufungsgerichte gegeneinander: Der Sixth und der Ninth Circuit haben zugunsten von Bundesstaaten entschieden, die solche Märkte regulieren wollen. Der Third Circuit stellte sich in einer Entscheidung früher im Jahr auf die Seite von Kalshi.
Diese gegensätzlichen Rechtsauffassungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Supreme Court mit dem Streit befasst. Für Kalshi und andere Betreiber ist die Frage unmittelbar geschäftsrelevant: Eine bundesweite Zuständigkeit könnte die Aufsicht stärker zentralisieren, während staatliche Glücksspielregeln je nach Markt und Standort unterschiedliche Anforderungen mit sich bringen. Die Regulierung von Kalshis Sportkontrakten durch Bundesstaaten bildet einen wesentlichen Teil dieses Konflikts.
NFL warnt vor Risiken für Verbraucher und Spielintegrität
Die NFL argumentiert, Betreiber nutzten die Lücke zwischen staatlicher und bundesstaatlicher Regulierung aus. Dadurch seien sowohl Verbraucher als auch die Integrität von Sportereignissen gefährdet. Die Liga verweist auf die Größenordnung der Märkte: Am ersten Sonntag der laufenden Saison entfielen laut ihrem Schriftsatz 1,8 Mrd. US-Dollar des gesamten Handelsvolumens von 3,3 Mrd. US-Dollar auf Kontrakte mit NFL-Bezug.

Zugleich stellt die Liga die Kapazität der CFTC infrage, diese Märkte neben ihrem breiteren Zuständigkeitsbereich für Derivate ausreichend zu überwachen. Nach den Angaben im NFL-Schriftsatz verfügte die Behörde über 543 Beschäftigte. Die NFL hält eine angemessene personelle Ausstattung für entscheidend, damit Regulierung auch in der Praxis Verbraucher schützt und Risiken für den Spielbetrieb begrenzt.
Konkret drängt die Liga auf eine Liste verbotener Märkte oder Wettarten, die besondere Integritätsrisiken bergen. Außerdem fordert sie ein Mindestalter von 21 Jahren für den Handel auf Prognosemärkten, während die im Bericht genannte Altersgrenze derzeit bei 18 Jahren liegt. Diese Forderungen knüpfen an Schutzmechanismen an, die die NFL im traditionellen Sportwettenbereich mit staatlichen Glücksspielbehörden verbindet. Auch die Frage, welche Ereigniskontrakte Prognosemarkt-Börsen anbieten dürfen, ist für die Abgrenzung der Marktaufsicht relevant.
„Absent the clarity that only this Court can provide, (prediction market) operators will continue exploiting the gap between state and federal regulation, endangering consumers and the integrity of sports events across the country,“
So formulierten die Anwälte der NFL ihre zentrale Warnung in dem Schriftsatz. Die Liga hält den Ansatz des Sixth und Ninth Circuit, der den Bundesstaaten eine Regulierung ermöglicht, angesichts der gegenwärtigen Marktbedingungen für richtig.
Kalshi und Polymarket setzen auf bundesweite Regeln
Kalshi-Sprecherin Elisabeth Diana erklärte, Marktintegrität habe für das Unternehmen höchste Priorität. Als Beleg verwies sie auf Partnerschaften mit der NHL, der Major League Baseball und weiteren Sportorganisationen. Zugleich widersprach sie der Darstellung der NFL, die CFTC kontrolliere sportbezogene Märkte nicht ausreichend: „Contrary to the NFL’s statements, the CFTC is actively policing sports-related markets, which are now listed on nearly every U.S. commodities exchange,“ sagte Diana.
Diana verwies außerdem auf laufende Regelsetzungsarbeiten der CFTC und das bestehende bundesweite Durchsetzungssystem. Kalshi habe versucht, mit der NFL bei Fragen der Marktintegrität zusammenzuarbeiten, bislang aber keine Antwort erhalten, sagte sie. Diese Aussage steht im Gegensatz zur Forderung der NFL nach zusätzlichen und konkreteren Schutzvorkehrungen.
Ein Sprecher von Polymarket erklärte, das Unternehmen teile das Engagement der NFL für die Integrität des Sports und arbeite an einem harmonisierten bundesweiten Rahmen. Dieser sei aus Sicht des Betreibers konsistenter als ein Flickenteppich einzelstaatlicher Gesetze. Damit verläuft die Auseinandersetzung nicht nur entlang der Frage, wer rechtlich zuständig ist, sondern auch entlang zweier unterschiedlicher Modelle für die Aufsicht über national angebotene Kontrakte.
Die CFTC beansprucht die ausschließliche Bundeszuständigkeit, während Bundesstaaten die Kontrakte als Glücksspielprodukte und damit als Gegenstand ihrer eigenen Aufsicht betrachten. Die NFL wiederum verweist darauf, dass sie im traditionellen Sportwettenbereich mit staatlichen Glücksspielbehörden zusammenarbeitet und dort Integritätsschutz unterstützt. Ob vergleichbare Kontrollen für Prognosemärkte gelten sollen und wer sie durchsetzt, bleibt der Kern des Rechtsstreits.
Ein konkreter Termin für eine Entscheidung, eine Anhörung oder eine mündliche Verhandlung des Supreme Court ist im Bericht nicht genannt. Die gegensätzlichen Berufungsurteile und die Beteiligung zahlreicher Bundesstaaten bilden den unmittelbaren Hintergrund für New Jerseys Antrag. Eine Klärung würde nicht nur den beteiligten Parteien, sondern auch anderen Betreibern und Regulierern die Zuständigkeitsgrenzen für Sportereignis-Kontrakte neu abstecken.
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